Doch ein stochastischer Papagei?

Timnut Gebri, die Taufpatin der im Titel genannten interaktive KI-Agenten, hat ihren Vorschlag aus dem Jahr 2020 vor Kurzem verteidigt. Ein Problem mit diesem suggestiv-tendentiösen Vergleich besteht in der Totalisierung des Phänomens. Ein Papagei gibt unter wortähnliche Laute wieder, die von Sprecherinnen als Worte “adoptiert” werden. Er hat sie, wie man unbekümmert sagt, in seiner Umgebung “gelernt”. Es ist ein Schritt weiter als Dressur; andere Haustiere kommen der menschlichen Artikulation nicht so nahe. Man denkt an einzelne Szenen, in denen dieser Effekt zu beobachten war. Und macht sie zur Bezeichnung eines Vorgangs, in dem irgendwelche Menschen mit irgendwelchen Programmen irgendwie interagieren.

Damit ist im Gebrauch dieser Namensgebung einen entscheidenden Faktor übersprungen, nämlich die Einzelheiten, die solchen Szenen unweigerlich anhaften. Bei Papageien mag das hingehen, in Anwendung auf die Schnittstelle Mensch-Maschine ist es bedenklich. Die Alltagssprache, mit welcher die Maschine adressiert wird, trifft auf Datenbanken und Routinen der Sprachverarbeitung, denen jeder physiologische Kontext fehlt. Sie können Code “verbalisieren”; die Ansage des Navigators bestimmt die Route der Autofahrerin, ohne dass dieser das Ziel “kennen ” müssten. Wie Karl May Landschaften beschrieben hat, die er nur aus Büchern kannte. Die betreffende Namensgebung bezieht die Beispielszenen auf der einen Seite auf alles, was Menschen fragen können und auf der anderen Seite auf alles, was Menschen digital zusammentragen und informatisch weiter verwerten können. Der sprechende Papagei wird zur Karikatur einer Operation zwischen situierten Individuen und ihren Erfindungen und dabei werden die interaktiven KI-Agenten zu alles wissenden Informationsquellen. Beide Betrachtungsweisen sehen vom Augenblick des Zusammentreffens ab. Tatsächlich findet es zu einer bestimmten Zeit unter Einhaltung bestimmter Spielregeln statt.

Es ist zu beachten, mit welchem Zweck das Werkzeug in Gang gesetzt wird. Aus den unzählbaren Vorgängen sei einer herausgegriffen, eine Zwischenstation in der privaten Behebung des php2bash Bugs, der Mitte Oktober 2026 die Welt in Atem hielt. Die Korrektur war im Prinzip unkompliziert. Die Linuxdistribution Ubuntu stellte ein einfaches Update zur Verfügung. Ein praktischer Algorithmus, aber so einfach war das nicht. Die Überprüfung des Patches zeigte nicht das erwartete Ergebnis, sondern ein “deb.sury.org”: “The PHP packages in my Ubuntu PPA and Debian DPA matches the official packages in Debian. Basically I am saying that you can’t get any closer than that.” (https://deb.sury.org/) Hier versagt die Papageien-Analogie. Eine Anfrage endet in einer Unentschiedenheit. Während die Ubuntu-Quellen bekannt sind und permanent bestätigt werden, ist der besagte Patch im Moment ein unbewiesenes Versprechen. Eine gänzlich unerwartete Textzeile, deren Herkunft selbst wieder geprüft werden sollte/müsste. Strikt gesprochen die Einladung zu einem Blindflug. Märchenhaft ausgedrückt ein Papagei ruft ins Unbekannte. Seinem Ratschlag soll man vertrauen, um dem Schlamassel zu entkommen. So wird deutlich, dass interaktive KI-Agenten nicht einfach Worte nachplappern, wenn sie Fragesteller:innen Satzgebilde anbieten.

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