Zur Leichtigkeit des Seins

Jeder Schüler kann in der Physikstunde durch Versuche nachprüfen, ob eine wissenschaftliche Hypothese stimmt. Der Mensch aber lebt nur ein Leben, er hat keine Möglichkeit, die Richtigkeit der Hypothese in einem Versuch zu beweisen. Deshalb wird er nie erfahren, ob es richtig oder falsch war, seinem Gefühl gehorcht zu haben.

Wenn man in der Schweiz Universität sagt, dann meint man in der Regel eine der beiden technischen Universitäten: die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETHZ) oder die École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL). Anders gesagt, das Verständnis von Universität ist ingenieurswissenschaftlich geprägt. Unterwegs im Zug überquere ich den “Röstigraben”. So fasst man die gefühlten Unterschiede zwischen der Romandie und la Suisse Alémanique zusammen. Es ist eine spezielle Erfahrung: Formal ändert sich fast nichts und doch fühlt es sich anders an. Ich sitze im selben Zug im selben Land. In Lausanne hörte man die Durchsagen zuerst auf Französisch dann auf Deutsch und Englisch. Nach Fribourg/Freiburg wechseln Französisch und Deutsch die Plätze. Auch die Fahrgäste sprechen plötzlich überwiegend etwas dem Deutschen Ähnliches. Die Dynamik (Geräusche, Bewegungen) ändert sich. Dann erreicht mich die folgende Meldung:

Leicht nehme ich diese Meldung nicht und weiß gar nicht wo ich anfangen soll.

Die Gratiszeitung “20 Minuten” ist ähnlich wie die Zeitung “Heute” in Österreich: Eher knackige Schlagzeilen und kurze Berichte. Da geht manchmal Genauigkeit verloren. Interessant sind die Beispiele: Begonnen wird mit einer Aufzählung von menschlichen Verfassungen, auf die künftige Roboter reagieren sollen. Der Nutzen der Roboter – so am Ende – besteht darin, uns den Alltag zu erleichtern.

Die Sprachvielfalt des Landes geht mit einem größeren Koordinationsaufwand einher. Es gibt viele Regeln, Prozessbeschreibungen und pro Gemeinde unterschiedliche Steuersatz-Regelungen (eigentlich wie die Europäische Union in der Nussschale). In diesem Kontext freundet man sich leicht mit Technologien an. Durch sie kann man dem Vernehmen nach “intuitiv” und gleichzeitig gesetzestreu handeln. Mit einem Klick ändert man die Sprache eines Programms. Da nimmt es nicht Wunder, dass die Schweiz das Apple-freundlichste Land der Welt ist: die Oberfläche suggeriert wie keine andere Leichtigkeit und Eleganz. Sie versteckt den Koordinationsaufwand wo immer möglich und gibt einem trotzdem das Gefühl, flexibel und individuell zu sein.

Holt der Roboter einen Arzt, wenn ich die oben beschriebene Erfahrung beim Überqueren des Röstigrabens mache, weil seine Prozeduren anzeigen, dass ich mich damit überhebe? Übersetzt er mir das Gesprochene in klares Hochdeutsch und blendet den Rest aus? Anyway, das ist Fiction. Denn auch Roboter-Forscher kochen mit heißem Wasser. Es lassen sich mehr oder weniger hilfreiche Geräte entwickeln. Diese vereinfachen nicht nur den Alltag, sondern können (glücklicherweise) selbst wiederum lästig werden.

Der Einsatz von Technologie zur Umgestaltung von traditionell zwischenmenschlichen Angelegenheiten ist omnipräsent. Es beginnt bei den Geburtstagserinnerungen auf Facebook. Man möchte sagen: Eine Vereinfachung ist auch eine Verflachung (200x “Alles Gute zum Geburtstag” von “Freunden”, dafür könnte ich mir wirklich einen Roboter anstellen). Ferner denke ich an Roboter für die Altenpflege oder zur Kinderbetreuung und finde das seltsam. Es fehlt die Interaktion der Perspektiven. Und aus der eigenen Sicht: Was bleibt von mir ohne reproduktive, zyklische Aufgaben?

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=0T79qW1WCgs

Andreas Kirchner

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