“carefree usage by hiding complexity”

kopod

 

Andreas Kirchner diskutiert (im vorletzten Beitrag) das Verhältnis von glatter Oberfläche und dahinter liegenden Kräfteverhältnissen am Beispiel gebräuchlicher Textcodierungen im Internet. Ich illustriere das Thema anhand einer Episode aus meinem laufenden Seminar über Podcasts.

Eine Kollegin hatte nach der ersten Sitzung die hilfreiche Idee, im universitären Moodle eine Seite einzurichten, in der die Teilnehmerinnen (m/w) ihre technischen und kreativen “Skills” beschreiben können, um Möglichkeiten zur Kooperation anzuzeigen. Ich versprach, das in die Lernplattform einzufügen.

Am nächsten Tag war das schon geschehen. Allerdings nicht im Moodle, sondern in der KO-Gruppe Podcast Philosophisch, die vor drei Jahren nebenher zu einer Vorgängerversion des Seminars auf Facebook eingerichtet worden war. Ich war verblüfft und leicht irritiert. Das Uniseminar wurde dadurch wie selbstverständlich in die Mega-Community verlängert. Doch dahinter steckt eine Logik und die hängt damit zusammen, dass Praktikability Komplexität verdeckt.

Es ist ja verständlich: warum soll die Studentin warten, bis eine Lehrperson sich aufrafft, eine gute Idee umzusetzen, die sie vorgeschlagen hat. Sie wählt das Medium, in dem sie diesen Anstoß sofort veröffentlichen kann. Das ist nun mal das omnipräsente Facebook, mit dem man sowieso täglich zu tun hat, ohne an Immatrikulation und Zugangsbeschränkungen gebunden zu sein. Es ist quasi die Gegenrichtung dazu, dass jemand ASCII Code für selbstverständlich hält, weil er für Englisch entworfen worden ist. Hier ist die Selbstverständlichkeit die globale Kommunikationsplattform, anstössig ist die Lokalisierung.

Mit dieser Begebenheit verbindet sich eine spezielle Ironie. Das angesprochene Seminar ist das erste überhaupt, in dem ich so ein Moodle einsetze. Die Durchführung von Lehrveranstaltungen im Philo Wiki schien mir angesichts der Big Data Techniken nicht mehr vertretbar. Und in dem Augenblick, in dem ich das Seminar in den geschützen Bereich der Lernplattform bringe, wird diese Einschränkung zum Anlass, sich den Datensammlern erst recht auszusetzen.

Im Hintergrund stehen, wie Andreas schreibt, Machtverhältnisse. Die Administration der 50 (von 85 Interessentinnen) ins Seminar aufgenommenen Personen – und dagegen die Omnipräsenz von Facebook. Die einfache Lösung ist nicht harmlos. Um Verzögerungen zu vermeiden, bedient man sich der Cloud. Sie ist mächtiger und undurchsichtiger, als eine biedere Lernplattform.