Drei Könige im Stimmbruch (1)

 

Ein Beitrag in drei Abschnitten:

 

Stilwechsel

Der Umbau der Bankfiliale dauerte beinahe zwei Jahre, mit eindrucksvollem Ergebnis. Keine Schalter zum Anstellen mehr; kein optisch abgetrennter Servicebereich; Laptops statt Stand-PCs für Bankangestellte. Eine frei im Raum positionierte Begegnungstheke, an der die Mitarbeiterinnen sich formlos um die Kundinnen kümmern, gleichzeitig eine Batterie von Selbstbedienungsgeräten im Seitentrakt. Ein grüner Wall und großformatige digitale Schautafeln als Wanddekoration.1 Der Zweck ist gleich geblieben, die Mittel wurden gründlich revidiert. Ähnlich bei Supermärkten und in Apotheken. Aber was ist, wenn sich das Sternsingen neu darstellt?

Die “Dreikönigsaktion” der katholischen Jungschar Österreichs knüpft an eine jahrhundertalte Tradition an.2

Die Anfänge scheinen in vorchristlicher Zeit zu liegen, als Bauern in den Rauhnächten Hof und Stall räucherten, um böse Geister abzuwehren. Der Volksbrauch im Anschluss an die Bibelstelle vom Besuch der “drei Magier” an der Krippe des Jesuskindes wurde im Anschluss an die Verehrung der “heiligen drei Könige” seit dem Mittelalter von Schülern und Studenten, später von Mönchen, Vagabunden und Soldaten weitergeführt. Mitte des 20. Jahrhunderts hat man ihn aufgegriffen und neu interpretiert. Zwei einschneidende Umstellungen änderten den Charakter der Gepflogenheit. Aus der Verbildlichung des Sterns als “Licht für die Heiden” und der “Weisen aus dem Mogenland” als Verehrer des Neugeborenen wurde ein Instrument christlich motivierter Entwicklungshilfe. Und es wurde Ministranten und Ministrantinnen übertragen, eine Art termintechnisch vorgezogener Kinderkarneval für einen guten Zweck.

 

 

Für 2018 ist der “Sternsingerrap” präsentiert worden. Er reißt aus der Verträumtheit der altertümlichen Liedstrophen und weihrauchigen Grußbotschaften. Ein neuer Ton für ein junges Publikum, ein Bruch mit den altvertrauten Inszenierungen.

 

 

An die Stelle bittstellender G’stanzel ist die pulsierende Insistenz der Rapmusik getreten. Die statischen Gruppenbilder vor der Haustüre sind per Bildregie in einen Wirbelwind von Masken in winterlichen Landschaften aufgelöst. #stern18 ist der Twitter Hashtag, unter dem man die neuesten Updates der diesjährigen Aktion verfolgen kann.

Modernisieren. Die Forderung, die in vielen Fällen unabweisbar und immer wieder auch destruktiv ist, hat auch die Medienpräsenz des Sternsingens erreicht. Ein liebenswürdiges Left-Over aus vergangener Zeit ist energetisiert und in den Strudel von Facebook eingespeist worden. Wer von Euch keinen Account hat, und kein Netbanking betreibt, werfe den ersten Stein.

Das heißt aber noch lange nicht, dass die Transformation so einfach passt. Die konzentrierte Frechheit, mit der die aufgepeppte Botschaft durch die pulsierende Schnitttechnik verkündet wird, ist eine Überlegung wert.

Fortsetzung.

  1. Siehe die Strategie dahinter.
  2. Siehe Wikipedia und Sternsingen – traditioneller Brauch mit aktueller Bedeutung