Einladung zu Plotin

Die Reihe “Philosophische Brocken” auf Radio Orange (Wien) bringt am Mittwoch, dem 5.1.2010, ein Gespräch über den spätrömischen Philosophen ägyptischer Herkunft Plotin. H. Hrachovec spricht mit Christoph Horn von der Universität Bonn. Ch. Horn ist (unter anderem) Spezialist für Antike Philosophie und hat seine Dissertaion über Plotin verfasst. Hier der Link zur Sendung.

Gegen Ende der Sendung wird eine gewisse Nähe zwischen Plotin und dem frühen Wittgenstein erwähnt, die in der Fachwelt noch nicht wahrgenommen wurde.

Um den Zusammenhang zu sehen kann man beim Satz 5.5521 des Tractatus beginnen:

Man könnte sagen: Wenn es eine Logik gäbe, auch wenn es keine Welt gäbe, wie könnte es dann eine Logik geben, da es eine Welt gibt?

Das klingt gehörig um die Ecke gedacht, enthält aber einen entscheidenden Gedanken. Wenn die Logik, diese jenseitige Vernunftmacht, ohne die Welt, welche sie bestimmt, auskommen könnte, bestünde kein Grund, dass sie sich diese Welt sozusagen leistet. So erhaben kann die Logik auch wieder nicht sein, dass es sie gäbe — und keine Welt dazu.

Vergleiche dazu Plotin:

So wie nun das Eine nicht allein existieren durfte — sonst bliebe ja alles verborgen da es in dem Einen der Gestalt ermangelt, ja es würde überhaupt kein Ding existieren, wenn das Eine bei sich stehen bliebe … (Enneaden IV 8, 6)

Den beiden Philosophen ist gemeinsam, dass sie bis an die Grenze des diskursiv Erreichbaren gehen, und dann noch einen Schritt machen. Ein eigentümlicher Schritt, er ist notorisch eher ein Sprung. Wie immer dem sei, dies ist jedenfalls inbegriffen: Am Sprung sind unweigerlich beide Seiten beteiligt.