In einem Projektseminar des vergangenen Semesters ging es um philosophische Podcasts. An Ende sollten die Studierenden selbst welche produzieren. Eine dabei vorgeschlagene Tonspur enthielt eine Reihe von Fragen an die Philosophie. Ich versah sie mit einem Videogewand:
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Die Herkunft der Bestandteile dieser Collage ist auf Podcasts Philosophie Wien dokumentiert. Sie stellt einen Zusammenhang zwischen den maßlosen Fragen des Studierenden und der unermesslichen Sehnsucht her, Antworten auf sie zu erhalten. Die Richtung ist: früher war es schön. Dafür steht Freddy Quinns “Heimweh”. Beim Suchen stieß ich auf Max Biundo. Ein kurzer Text läßt prekäre Verhältnisse erkennen. Die Aufnahme vom März 2010 ist von sanfter Gewalt.
Der Auftritt erinnert mich an einen Artikel von Keri Walsh: Why Does Mickey Rourke Give Pleasure?
The compulsion to watch him, it seemed, came from this casual throwing away of the self. In A Prayer for the Dying (dir. Mike Hodges, 1987), his character, an ex-IRA agent, has been tracked down by his former partner (Liam Neeson), now commissioned to kill him. Rourke stands calmly, waiting to be shot: “It’s OK,” he tells Neeson’s character, with the gentlest consideration for his executioner. It was hard to tell on such occasions where empathy ended and a death wish began. His disappearances created moments of consummation with other actors and with the audience that seemed to know no bounds. This permeable selfhood suggested a resistance to identity that made everything he did intimate and generous.
Max Biundo singt sich, wie man auf Youtube beobachten kann, durch den gesamten Liederkranz der Wandervögel, der regionalen Radiosender und des Musikantenstadels. Das sind einfache, rührende Songs, wie die kleinen quadratischen Malzplätzchen (“Stollwerck”) aus der Kindheit. Aber Biundo agiert wie ein außerirdisches Wesen. Um nochmals auf einen Film zu verweisen, wie der Engel aus Pier Pasolinis Teorema. Der bewirkt, dass die Mitglieder einer Mailänder Industriellenfamilie der Reihe nach vor dem jungen Mann “dahinschmelzen”. Nur ist mittlerweile nicht mehr 1968 und Biundo singt für heute.
Nichts können wir von den nostalgischen Anwandlungen erwarten; und zugleich steht alles mit ihnen auf dem Spiel. Vom ersten Ton an wird eine Weihnachten-war-einmal-Stimmung erzeugt, die einen schmerzlichen Kompetenzverlust statt straffer Selbstorganisation der Gefühle androht (und verheißt). Den Auftritt kann ich nur transluzent nennen. Durch das gesammelte Wissen von Betrug und Täuschung mittels Klischees hindurch strahlt eine Unverfrorenheit welche, noch ein starkes Wort, mesmerisiert. Es ist eine Szene, in der das Kind ganz einfach die Komplexität des Erwachsenen soweit kompliziert, dass sie unhaltbar wird.