zur Erinnerung

Die Universität Wien hatte eine Homepage in dezent zurückgenommenem Design. Schwarz-weiß, mit geringen Bitmengen. Das Foto des Hauptgebäudes und die Galerie der Schaufiguren delikat in einen weißen Hintergrund gezeichnet. Vier Absätze umrissen kurz den Anspruch und den Wirkungsbereich der Institution. 6 Textreiter boten den Zugang zu weiteren Informationen.

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Man soll das nicht glorifizieren. Design ändert sich und verfolgt wechselnde Zwecke. Dennoch: Es war eine Oberfläche, die nicht mit popularisierender Kumpelhaftigkeit arbeitete, sondern Zurückhaltung, ja eine gewisse Noblesse vermittelte.

Schwarmintelligenz

Vergangenes Wochenende gab es eine gemeinsame Veranstaltung der Wikipedia Deutschland und der Akademie der Wissenschaften und Literatur in Mainz. Eine interkulturelle Begegnung: schwarze Anzüge treffen auf T-Shirts. Dazwischen die spannende Aufgabe, zwischen einem Phänomen mit Breitenwirkung und den Qualitätsansprüchen – bzw. phantasien zu navigieren. Die Professorinnen hätten gerne Auslese, Renommee und Garantien, dagegen operieren die Vertreter des Wikiprojektes Philosophie mit einer bewegten Masse von Beiträgen und Verbesserungen.

Eine überzeugendes Referat von Markus Mueller nahm den professoralen Einstellungen den Wind aus den Segeln. Er sprach über die Qualitätssicherung in der Wikipedia und machte klar, wie oberflächlich die meisten Diskussionen über die (jeweils vorläufigen) Resultate der Enzyklopädie sind.

Weniger hilfreich war der Eröffnungsvortrag von Peter Wippermann. Als Vertreter des “Trendbüros” immer auf der Suche nach einprägsamen Formulierungen verbuchte er die Wikipedia unter “Schwarmintelligenz”.

Wie heißt es im einschlägigen Artikel: der Terminus ist “auch ein unscharfes Mode-Schlagwort”.

Am Pranger

Beim Durchblättern des Guardian Weekly war der erste, eher unterbewusste, Eindruck: was ist das für ein Bild von hinten? Nicht attraktiv. Interessant, dass diese visuelle Auffassung vor der Verarbeitung der riesigen Buchstaben stattfand.

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Es braucht einige Zwischenschritte, um zu entdecken, dass die Pointe dieses Fotos gerade darin liegt, das Gesicht nicht zu zeigen. Ein schönes Beispiel dafür, wie aufmerksam man sein muss, um jene Gesten zu erfassen, die darin bestehen, dass das Naheliegende vermieden wird.

Markenzeichen

Die New York Times brachte am 29.1. einen Artikel über Levi’s Jeans. Es ging um die charakteristische Naht auf der hinteren Tasche:

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Das Zeichen ist offenbar prestigeträchtig. Eine Recherche ergibt reiche Konkurrenz:

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Levi’s sind dafür berüchtigt, Firmen mit derartigen Abwandlungen des Doppelbogens zu klagen. Ich bin dabei, einen Artikel über den Zusammenhang zwischen dem klassischen philosophischen Wissensbegriff und der Wissensgesellschaft mit diesem Beispiel einzuleiten.

Schmeichelhaft

Eine Überraschung brachte der vergangene Mittwoch im Standard.

Ich muss die Recherche allerdings korrigieren. Es scheint, der Redakteur hat “Liessmann” und “Hrachovec” eingegeben. Da hätte er mal “Wimmer” versuchen sollen. Ein wenig genauer ist die Erweiterung der Abfrage durch die Vornamen. Und da geht die Sache umgekehrt aus. Es scheint, dass der tschechische Familienname international verbreiteter ist, als der kärntnerische.

Blamage

Julian Nida-Rümelin ist Professor für politische Theorie und Philosophie an der Universität München, ehemaliger Kulturstaatsminister der Regierung Schröder. Er hat sich einen peinlichen Schnitzer erlaubt und für das fake-Angebot eines Dr. h.c einer fiktiven “Deutschen Nationalakademie” gegenüber “ohne Vorbehalt” ausgesucht dumme deutschnationalen Parolen befürwortet.

Hier die Geschichte im Feulleton der FAZ. Sie zieht die ersten Fäden durch die Blogwelt, siehe Tante Emma, NachDenkSeiten, GBlog, Bürger Herold.

Dann gibt es ein Interview mit dem Deutschlandradio, einen Beitrag in der Berliner Zeitung und einen Kommentar der Frankfurter Rundschau. Auch die Neue Zürcher Zeitung ist vertreten. Sie bietet ein schönes Resumee: “Entweder xABextrem unaufmerksamxBB oder xABextrem rechtsxBB: Das dürfte freilich in keinem Fall eine erschöpfende Alternative sein. Die Palette der Deutungsmöglichkeiten sollte mindestens um zwei Kategorien erweitert werden: xABextrem eitelxBB und xABhinreichend dummxBB.”

Vorweg empfinde ich eine gewisse Sympathie für jemanden, der am Pranger steht.. Zusätzlich ist Skepsis gegen die Gesetze des Sensationsjournalismus angebracht. So wie ich das Wahlplakat des KSV zur letzten Hochschülerschaftswahl für dumm und geschmacklos gehalten habe. Es zeigte den mit einer Torte bekleckerten Rektor. Aber das Sentiment ist nicht am Platz. Nida-Rümelin ist ein ehemaliges Regierungsmitglied und Fachmann für politische Theorie. Der muss wissen, was er in der Öffentlichkeit tut. Wie heißt es – frei nach dem Werbespruch von “Manufactum”: Es gibt ihn noch, den Super-GAU. Ich würde sagen: Rücktritt aus der “European Academy of Sciences and Arts” oder einer anderen der illustren Gesellschaften, die sein CV zieren.