Beratungsmuster

2010-08-26_13-02-12

Vor langer Zeit, als es an österreichischen Universitäten Personal- und Berufungskommissionen gab, die aus Professorinnen, Mittelbau und Studentinnen kollegial zusammengesetzt waren, beobachtete man eine bedenkliche Entwicklung. Es kam oft auf den Durchschnitt an, den Kandidatinnen aus den ziemlich divergenten Interessen zu ziehen vermochten. Die Tendenz ging in Richtung “nirgends anstreifen” und wer die Umstände gut kannte, hatte die besten Chancen. Wo sind die Zeiten hin?

Ein “Doktoratsbeirat” wacht mittlerweile darüber, dass nur solche Studierende im Doktoratsstudium betreut werden, die in einer “fakultätsöffentlichen Präsentation” bestehen. (Ich war Vorsitzender der Curricularkommission der Universität, als das beschlossen wurde.) Dabei ergibt sich ein anderes Bild.

Read more

Die alten e-Mail Listen

epoche2

Ein Beitrag auf einer Mailing Liste

 

Liebe alle,

vorerst moechte ich mich oeffentlich darueber freuen, dass die “Epoche” wiederum eine Traegerfunktion fuer eine ganz wichtige universitaetspolitische Diskussion uebernehmen konnte. Wenn zumindest der kritische Teil der Kollegenschaft … mit Hilfe eines engagierten Kommunikationskanals unzensuriert ueber die Empoerungen der Basis informiert wird, bleibt dies ein ganz wertvoller Bestandteil unserer inneruniversitaeren Kommunikation.

2003, mit dem Inkrafttreten des Universitätsgesetzen 2002, schien es mir nötig, ein öffentliches Forum zur Diskussion und Kritik seiner Auswirkungen zu schaffen. Die Web-Anzeige des Personalstands an der Uni Wien hatte einen Bug, durch den man mit einem geeigneten Suchbegriff in einem Durchgang sämtliche Mail-Adressen der Beschäftigten abfragen konnte. Ich machte daraus eine Massenaussendung an ca. 3500 Personen – mit etwas Bauchweh. Aber die Initiative erfüllte ihren Zweck und sie besteht noch immer.

Heute würde man eine Fascebook-Gruppe gründen und “Freundinnen” sammeln. Hier eine kleine Aufstellung der auffälligsten Unterschiede:
 
Read more

Begriffsanalyse, Unschärfe und wieder zurück

3572_02

Eine Aufgabe der Philosophie ist Begriffsklärung. Zum Beispiel spricht man vom “E-Learning”. Es handelt sich, soviel lässt sich sicher sagen, um Lernen im Umfeld digitaler Netzwerke. Sonst noch etwas? Dazu muss der Einfluss untersucht werden, welchen das Präfix “E-” auf die Bedeutung von “Lernen” ausübt. Das Thema wurde in meiner Vorlesung “Bildung und Datenbanken” vom einfacheren Beispiel “E-Mail” her diskutiert.

Read more

IJCSE

cham

“IJCSE” is a funny acronym, a chameleon term, changing its meaning like the color of the animal. How do I know? It starts with my hitting on an article titled Massive Open Online Courses : A New Dawn for Higher Education? I have sketched the ackwardness of this piece, culminating in the inclusion of editorial advices into the published text. This glitch occurs in a journal which boasts an highly elaborate review process and claims to be

a leading international journals for publication of new ideas, the state of the art research results and fundamental advances in all aspects of computer science and engineering. IJCSE is a scholarly open access, peer reviewed(refereed) international journal

Read more

Buchnotiz

borr NLR86cover

Die kommende Sendung der “Philosophischen Brocken” auf Radio Orange wird eine Anzahl von Buchbesprechungen bringen. Hier vorweg ein Beitrag zur Orientierung über ein kleines Detail: beim Attentat auf Anwar al-Sadat hätte Leutnant Islambuli auch den Vizepräsidenten Hosni Mubarak töten können. Warum tat er das nicht?

Das Innenleben einer Drohne

Gestern im Rahmen des Vienna Summer of Logic: Logic Lounge ein Gespräch zwischen Moshe Vardi und Herbert Hrachovec:

Drones with a guilty conscience: the ethics of Artificial Intelligence

Hier das Eröffnungsstatement:

hh_vardi_start

“We agreed that I would start with something provocative …”

 

Schattenspiele

William Kentridge hielt am Dienstag und Mittwoch zwei Vorlesungen im Rahmen der Wiener Festwochen. Die erste mit dem Titel “In Praise of Shadows” und — ich hatte die Vorankündigung nicht genau gelesen — zu meiner Überraschung über Platons Höhlengleichnis. Das ist ein eigentümliches Ding. Es gehört zu den ältesten und abgegriffensten Motiven der Philosophie und ist doch immer noch eine Herausforderung. Ich bin im Zusammenhang mit dem Film “Matrix” und mit der Bolognareform darauf zurückgekommen. Einen Beitrag zu einer paideia-Konferenz habe ich gerade fertiggestellt: “Paideia, Progress, Puzzlement”.

Umso gespannter war ich, zu hören, was Kentridge mit dem Motiv macht. Es war phantastisch. Die Vorlesung ist aus Harvard zugänglich. Ich werde in nächster Zeit einige Ausschnitte präsentieren.

Read more

Not a Service

Nach dem langwierigem Auffinden des Download-Links zur Video-Plattform Kaltura (siehe letzter Beitrag) las ich einen Blog-Beitrag von Tim Owens: “Why I’m getting rid of Kaltura (and why you should too)” aus dem Jahr 2013. Die Open Source Community Edition (CE) von Kaltura sei per Design fehlerhaft, um die Benutzer zum Kauf von Erweiterungen oder den Umstieg auf die Cloud-Version zu bewegen. Und Support gäbe es auch keinen.

 

kaltura_kmc_content_thumbnails_for_audio

Bei mir hat sich die Frustration mit Kaltura mittlerweile etwas gelegt, weil die Basis-Installation von Kaltura CE5 auf einer Virtuellen Ubuntu Maschine in wenigen Stunden erledigt war. Nun: Erste Eindrücke und Adaption der Kritik vom letzten Beitrag.

 

Read more

Falschmeldung

 

Deborah Weber-Wulff hat ein Buch über Plagiate geschrieben: False Feathers. Ich habe nicht mehr vorgehabt, mich über die Dissertation Johannes Hahns zu äußern. Dann lese ich auf Seite 156 das Folgende:

His dissertation, from the University of Zürich in Switzerland, was then examined there and the accusations were declared to be unfounded. A Vienna professor, Herbert Hrachovec, later presented a very detailed documentation of the dissertation and its sources. Hrachovec published his material online, including a precise analysis of the first 100 pages, but the accusations were dismissed as being “politically motivated”. Aigner 2011.

Das ist gründlich in die Hose gegangen.

Die Arbeit wurde am Institut für Philosophie der Universität Wien geschrieben und von Stefan Weber als Plagiat kritisiert. In einem ersten Abwehrversuch der Universität Wien wurde ein Züricher Gutachter um eine Stellungnahme gebeten. Hier ist seine Expertise:

Stellungnahme_UniversitaetZuerich_Hahn

Wie es dazu gekommen sei, dass eine vorgeblich in Zürich verfasste Dissertation zuerst in Zürich akzeptiert, dann problematisiert, und schließlich dort für unbedenklich erklärt wurde, erklärt Frau Weber-Wulff nicht. Es bleibt auch unverständlich, wieso das Ganze überhaupt etwas mit der Wiener Universität zu tun hat.

Weiters entsteht der Eindruck, meine Dokumentation wäre als “politisch motiviert” zurückgewiesen worden, während aus dem zitierten Standard-Artikel von Lisa Aigner von dieser Zusammenstellung gar nicht die Rede ist. Die Verteidigung Hahns richtet sich gegen Stefan Weber.

Hahn hat die Plagiats-Vorwürfe als haltlos zurückgewiesen. Das Gutachten von Weber über seine Dissertation sei “politisch motiviert, wenig überraschend und nicht maßgeblich”, so Hahn in einer Stellungnahme.

Die Schrift unseres EU-Kommissars ist unter aller Kritik. Was soll man aber andererseits zu solchen Falschmeldungen von Professorinnen in wissenschaftlichen Arbeiten (Springer Verlag!) sagen? Ich würde Schadenfreude seitens des Missetäters verstehen.

 

Wissen macht

wikiservers

Ein Effekt des Ruhestandes: an einem Tag, den ich eigentlich bräuchte, um den seit langem versprochenen Artikel fertigzuschreiben, muss ich vormittags an die Universität. Zu einer Beiratssitzung, welche der Vorbereitung des 650-jährigen Gründungsjubiläums der Universität Wien dient. Im Arbeitsalltag habe ich das umstandslos verkraftet, jetzt ist es eine (leichte) Ärgerlichkeit.

Aber der Ausflug hat sich gelohnt. Im Stiegenhaus der Universität treffe ich den Kollegen, mit dem zusammen ich in meiner ersten Senatsperiode den Mittelbau vertreten habe. Er ist gut aufgelegt und begrüßt mich freundlich. Er hätte in letzter Zeit öfters an mich gedacht, weil seine Studienrichtung (ein Ausnahmefall), jetzt vom Diplomstudium zum Bachelor/Master Format umgestellt wird. Ich bekomme nachträglich Anerkennung und Komplimente für eine Arbeit (als Vorsitzender der Curricularkommission), die er erst jetzt richtig einzuschätzen weiß. Aufgeheitert nehme ich Platz im Senatssitzungssaal. Das Programm des Jubeljahres wird vorgestellt.

Abgelenkt blättere ich in den Unterlagen, als ich meinen Namen höre. Der Rektor geht die Programmpunkte durch und ist gerade bei den Medienprojekten. Er erinnert an die Diskussion über ein Motto der ganzen Veranstaltung. “Kollege Hrachovec hatte einen Vorschlag gemacht: Wissen macht.” Das war für diesen Anlass wohl etwas zu kühn, aber es hat Nachwirkungen. Das erste Medienprojekt trägt den Titel Forschung bewegt!.

Vielleicht gelingt es mir noch, das Rufzeichen wegzubekommen. Es versieht die Formulierung mit einer extra Emphase, welche der ursprüngliche Vorschlag nicht nötig hätte. Kurz ist der Anflug von Enttäuschung und Verärgerung über die lauwarme Lösung. Doch dann überwiegt ein Gefühl der Versöhnung. Eben das ist der Verlauf des exponierten Engagements. Man hat eine gute Idee, die Aufmerksamkeit erregt; sie zieht eine Spur und verläuft sich nach und nach im Sand.