In der Süddeutschen Zeitung berichtet Burkhard Müller über das Ergebnis eines Rankings der hundert bedeutendsten Intellektuellen. Eine kultur- und medientheoretisch durchaus aufschlussreiche Lektüre: Ranking der wichtigsten Intellektuellen
Category: Medienphilosophie
althergebracht
Noch eine Bemerkung zur “Blogologie”, genauer zur skeptisch-staunenden Verwunderung, die mich erfasst, wenn ich die angesprochenen reflektierten, technisch erweiterten und mit RSS-feeds verbreiteten Schreibformen betrachte. Vergangene Woche erhielt ich diese Mail:
Das Buch geht unverzüglich in Druck. Vertrag kommt in den nächsten Tagen. Beide Bücher werden etwa in der 29. Kalenderwoche (15.07.2008) erscheinen.
Es ist schon oft darüber geschrieben worden, dennoch eine Bemerkung. “unverzüglich” heißt hier etwas anderes, als wenn ich in einer Minute den Publish-Knopf drücke. Und auch das “Erscheinen” in der 29. Kalenderwoche hat eher etwas mit Frühlingserwachen und längerfristig angekündigten Besuchen zu tun, als damit, dass eine Mitteilung gemacht wird. Wie jetzt.
multiplex
Ja, ein schöner Artikel: “Ich werde bestimmt durch das, was ich wahrnehme und womit ich interagiere. Und so kann ich über mich schreiben in angrenzenden Widerspiegelungen.” (B. Rath) Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, an dem die Beschreibung der technischen Möglichkeiten eines Blogs fugenlos in die theoretische Beschreibung der sozialen Verflochtenheit von Personen übergeht.
blog, blogger, am bloggsten
Kleine (dekorative) Selbstreflexionen stehen PhilosophInnen immer gut zu Gesicht. Dementsprechend räsoniert auch Brigitte Rath im parapluie unter dem Titel Angrenzende Widerspiegelungen über die Charakteristika von Personal Blogs. Mehrere AutorInnen und die Vernetzung von Blogs würde wohl – in ihrem Sinne – die metonymische Würze noch verstärken. Andererseits könnte dies schon derlei Interpretationsmittel sprengen. Jedenfalls wird der hermeneutische Gabentisch stets neu bereitet und es bleibt die kryptisch beantwortete Frage „Wer bin ich? Und wenn ja: wieviele?” auch weiterhin eine philosophische Zumutung.
Arbeitsplatz
Beim Bloggen kommt man früher oder später auf die Idee, dass es nicht allzu “trocken” zugehen soll. Wie es schon in den Medien ist: Bilder dienen als Blickfang und zur Auflockerung. Man kann diese Entwicklung auch in “Quatsch” beobachten. Dazu kommt noch, dass Blogs oft persönlich gefärbt sind und entsprechendes Bildmaterial aus privaten Bereichen zur Verfügung steht.
Ein interessantes Unternehmen ist in diesem Zusammenhang Dennis Des Chenes Blog Philosophical Fortnights. Er bringt Systematik in die Bild-Aufbesserung, indem er jeden Sonntag ein Foto seiner Katze und jeden Mittwoch ein Foto seines Gartens präsentiert.
Nicht zu vergessen, er ist Philosoph. Das Blog bietet auch schöne Beiträge zu klassisch philosophischen Themen.
Das “social web” hat das Bedürfnis schon erkannt und passende Angebote entwickelt. Mit Hilfe des Plugins “Zemanta” kann sich die Autorin während des Tippens ergänzende Zitate und Bilder aus dem Netz suchen lassen. Ich bleibe einstweilen noch beim alten Stil und verwende Abbildungen aus meinem Arbeitsalltag, wie z.B. das durchgebrochene Regal des nagelneuen Medientisches, der eben am Institut aufgestellt wurde. (Foto: Günther Sednig)
Unmoralisch
“Tim Berners-Lee erfand das World Wide Web und hatte die Vision des Semantic Web. Es war eine moralische Vision. Wie es mit der Moral in der Realität des Internet steht, wurde der Philosoph Herbert Hrachovec gefragt.”
Und er antwortete nicht auf diese und andere Fragen.
Interview Semantic Web Company
kulturspezifisch (2)
Die elektronische Einreichung der Beiträge zu CATaC bereitet Schwierigkeiten. Zwei Formulierungen, die um Unterstützung bitten:
Mais, je n’arrive pas à comprendre comment m’y prendre pour l’envoyer sur le site de l’appel à contribution. Pourriez-vous m’indiquez s’il vous plait la démarche à suivre? En vous remerciant de votre compréhension, je vous prie d’agréer madame AA mes salutations distinguées.
Wer könnte da widerstehen? Andererseits das von einer Dame, die sich in der Signatur “Communication Expert – International Relations” nennt.
I created an account and tried to log in to the Conference site in order to upload BB’s paper proposal, however I did not succeed.
Therefore, I am sending the paper attached.
Sie haben eine geringe Toleranzschwelle, die Ungarinnen.
kulturspezifisch
Zur Vorbereitung einer Konferenz benutze ich das in den USA entwickelte “Open Conference System”. Die Autorinnen können ihre Beiträge selbst einreichen. Ich habe einige Erfahrung mit dieser Package, weil ich sie schon vergangenes Jahr für das Wittgensteinsymposium eingesetzt hatte. Diesmal tritt bei der Einreichung eine unerwartete Schwierigkeit auf. Dies ist ein Ausschnitt der betreffenden Maske:

Kolleginnen (m/w) aus Frankreich verstehen das mitunter als Aufforderung, ihren Titel (z.B. Doktor) einzutragen. Das hängt vermutlich nur lose damit zusammen, dass sie die Bezeichnung “rank” im “bio statement” nicht darauf beziehen. Ihnen fehlt offenbar etwas in den Feldern zur Autorenbeschreibung.
keep smiling
Die p.r Expertinnen haben nun “den Auftritt” der Universität aktualisiert. Aus der distanzierten Hülle ist eine bunte, mit wechselnden Inhalten versehene, Erlebniswelt geworden. Die Gestaltung orientiert sich am Standard US-amerikanischer Blog-Sites. Ich kann dem Strategiewechsel nicht widersprechen, auch wenn meine Vorliebe eher dem alten Aussehen gehört.

Eines allerdings ist traurig: die einfältige Bilderwelt, die nun die Hauptseite schmückt. Ein altes Haus, ein neues Haus und dazwischen viele viele lernbegierige Studentinnen (m/w). Man wollte die Seite lebendig und individuell gestalten und durch die Einschaltung des Terminkalenders und der “Aktuellen Meldungen” ist das auch gelungen. Aber dabei hat man abgebrauchte visuelle Klischees an die Spitze gesetzt. Diese Internationalisierung ist eine Applanierung.



