Beamtenmentalität

Aus dem Kommentar zur vorigen Eintragung:

die Behauptung, daß ohne “Abstecher” im Umgang mit Beamtentum nichts (oder recht wenig) geht, ist eher eskapistisch…

Untergräbt man durch die Berufung auf die eigene Integrität (und damit die Schaffung einer “Ausnahmeregelung” für einen selbst) nicht den Rechtsstaat?

Ein Beispiel: im Moment laufen Einreichungen für “Initiativkollegs”, d.h. Doktoratsprogramme mit bis zu 12 Studierenden. Dafür müssen eigene Curricula erstellt werden. Ich bin dabei, mit Kolleginnen ein solches Kolleg auszuarbeiten und werde gefragt, was über das Curriculum im Antrag stehen soll. Als Mitglied der Curricularkommission weiß ich (ich habe es vergangene Woche vorgeschlagen), dass die Curricula erst nach Genehmigung des Projekts, in Abstimmung mit den anderen Programmen, erstellt werden.

Müßte ich dieses Wissen für mich behalten? Das scheint sehr rigoros. Eine bessere Antwort bietet sich an: ich werde die Diskussion der Curricularkommission möglichst weit publizieren.

Im xDCbrigen ist die Optik durch den Beamtenstatus von Hochschullehrerinnen tatsächlich etwas verzerrt. So reicht eine Linie von kleinen Betriebsagenden direkt zum “Rechtsstaat”.

Gewissenserforschung (2)

Auf der einen Seite die korrekten, im Gesetz und innerhalb der Universitätsorganisation vorgesehenen Abläufe: die Kompetenzen sind verteilt und die Kanäle zwischen Betriebsrat, Universitätsleitung, Universitätseinrichtungen und der Öffentlichkeit allgemein folgen einem festgelegten Muster. Von oben nach unten gibt es e-Mails und eine Reihe verschiedener Steuerungselemente. Umgekehrt einige Beratungsgremien juridisch festgeschriebener (Senatsvertretung) und freiwiller (“Kontaktkommittee”) Art.

Zwei zusätzliche Faktoren verwischen diese Regeln. Erstens ist ziemlich viel Sand im Getriebe des Verwaltungsablaufs. Zuständigkeiten wechseln, Fragen werden nicht beantwortet, Entscheidungen hin- und hergeschoben. Zweitens finden sich “Funktionäre” simultan auf mehreren Ebenen wieder: z.B. als Senatsmitglied, Betriebsrätin, SPL oder PLUM-Mitglied. Es ist nicht einfach, die jeweiligen Kommunikationsumgebungen voneinander zu trennen. Und wie gesagt: es besteht die Versuchung zu “Abstechern”. Wenn jemand in Ausübung der Funktion A eine Person trifft, von der er im Rahmen der Funktion B etwas haben möchte, wird es knifflig.

Es ist ein altes Thema des politischen Engagements. Die Gewerkschaftsfunktionäre bei VW sollen von der Betriebsleitung “eingekauft” worden sein, “Verräter”, die “mit den Chefs unter einer Decke stecken”. Kann man sich dagegen einfach auf die persönliche Integrität berufen? Wie zulässig/zuverlässig ist diese Selbstbeurteilung?

Gewissenserforschung

Im Betriebsausschuss wird darüber geklagt, dass in einer Sache seit Monaten keine Auskünfte zu bekommen sind, obwohl sie der Personalvertretung rechtlich zustehen. Am nächsten Tag treffe ich die betreffende Zuständige auf der Strasse und zögere kurz. Dann spreche ich sie an und erwähne den Ärger. Ich erhalte ein Versprechen, dass es eine Reaktion geben wird.

Ist das in Ordnung? Oder korrupt? Sicherlich hat das Verhalten eine intrigante Note. Man bedient sich einer Information aus dem einen Kontext, um einer “Feindin” einen Tipp zu geben. Verteidigung: die aufgebrachte Stimmung im Betriebsausschuss war auch verdächtig. Was spricht dagegen, etwas zu unternehmen, das eine schnellere Problemlösung bewirkt?

Radiosendung

Morgen 13h sendet Radio Orange, FM 94.0 ein Gespräch, das ich mit dem Vorsitzenden des Universitätsrates Max Kothbauer, dem Dekan der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaften Peter Kampits und der Vorständin des Instituts für Philosophie Elisabeth Nemeth letzte Woche geführt habe.

Es geht um die Ökonomisierung des Universitätswesens im UG 2002. Max Kothbauer argumentiert entschieden dafür, dass die beteiligten Philosophinnen (m/w) quasi das Gras wachsen hören.

Die Sendung wird anschliessend auf Audiothek als mp3-Dokument zur Verfügung gestellt werden.

Natur

Ein Argument, das gerne gegen gender-spezifische Lehrveranstaltungen angeführt wird: “Was ist an Sternen, Steinen, Zellen, Primzahlen … geschlechtsspezifisch?” Auch gestern im Senat war das ein Thema. Ich verwies darauf, dass es um eine grundlegende Eigenschaft der Wissenschaften ginge. Daran knüpfte sich ein berührendes Gespräch.

Ein Kollege fragte, wie das im Hinblick auf die Naturwissenschaften gemeint sein künnte. Unsicher (ach hätte ich doch mehr davon gelesen) begann ich zu erklären, dass im Experiment ein Herrschaftsanspruch steckt und dass die analytische Methode etwas zerstören muss, bevor sie es erkennt. Mit Bauchweh wartete ich auch die Reaktion.

Zu meiner Überraschung war die Antwort: Ja, das sei ganz klar. Die Wissenschaft hätte die Hände besser vom Atom- oder Zellkern gelassen. Tatsächlich sei die Vergewaltigung der Natur ein wichtiges Problem. Nur: was hätte das mit gender mainstreaming zu tun.

Der Rest war einfach.

Beschleunigung

Die Bologna-Arbeitsgruppe, beschickt vom Rektorat und Senat, hat ein Arbeitspapier zur Umstellung auf die europäische Studienarchitektur erstellt. Es wird heute im Senat diskutiert und möglicherweise beschlossen werden.

Es handelt sich um einen allgemeinen Rahmen: Bak.-Mag.-Dr., ECTS-Punkte, Module, Curricularmodelle. Eine Orientierung über Eckpunkte, sodass die umstellungswilligen Fakultäten schon zu arbeiten beginnen können.

Offen ist in diesem Papier allerdings die Frage nach einem genaueren Terminplan und den nächsten Verfahrensschritten. Hier gibt es seit Freitag (Dekanssitzung) eine Intervention des Rektorates.

Die Entscheidung über die Studienangebotsstruktur erfolgt mit gesamtuniversitärer Perspektive, ausgehend von einem universitätsweit abgestimmten Plan.

Sehr gut. Und wie kommt es zu diesem Plan? Das soll so geschehen, dass
die Arbeit der Bologna-Gruppe nochmals überprüft wird:

Ziel: Strategische Planung der DekanInnen mit den
StudienprogrammleiterInnen.

Das künftige Lehrangebot der Universität wird also in Gesprächen zwischen Dekaninnen (m/w) und SPLs ausgearbeitet. Als Zeitrahmen ist vergangenen Freitag dieses vorgestellt worden:

    6.10. Senatsbeschluss

    10.10 Rückmeldung der Fakultäten und Zentren

    14.10. Diskussion gesamtuniversitärer Vorgehensweise

In einer Woche sprechen also die Dekane mit dem Rektorenteam darüber, welche Studienprogramme es in Zukunft an der Universität geben soll/wird. Wirklich flott.

sex cells

habe ich heute im Morgenjournal des ORF gehört. Das war für den Kulturteil angekündigt – vielleicht eine neuartige Kunstaktion?

Beim genaueren Hinhören stellte sich heraus: “sex sells”, es ging um gratis Museumsbesuch ohne Kleider und Ähnliches. Assoziation: “science sells” und “selling science”. Die “Lange Nacht der Forschung” war ein gutes Beispiel. Angeblich waren 30.000 Menschen unterwegs. Die Erfahrungen der Station “Das Ende der Sicherheit und der Beginn der Katastrophen” waren auch positiv. Ziemlich viele Interessentinnen und produktive Beiträge.

Zur “Nachbearbeitung” bleibt die Frage, was diese Vermittlungsform über das Wissen sagt. Wie steht die Auslage zum Geschäft? Wie “sexy” kann/soll man Philosophie machen? Hier ein Anfang über Wassermassen.