Spracheinstellungen

Nochmal zu der Spracheinstellung von Lernplattformen. Der WebCT Chat ist durch die deutsche Einstellung abgeschossen worden. Beispiele für die Barbarismen der gegenwärtigen deutschen Benutzerführung habe ich hier schon einige gebracht. Es ist in diesem Zusammenhang interessant, wie es andere Produkte handhaben.

Gestern habe ich ATutor installiert. Das kommt (natürlich) in Englisch. Man holt sich von der Webseite einen german language pack (unter vielen) und installiert ihn dazu – fertig.

Um ehrlich zu sein: so einfach ging es nicht. Das Dokument wurde zwar in die Plattform Übertragen, aber die Sprachoption nicht angezeigt. Nach einer kurzen google-Suche stellte sich heraus, dass es einen Fehler im Chache-Managment gab, der so und so zu reparieren ist.

Die Lehre daraus: die Sprachverwaltung muss modularisiert sein und mit einfachen xDCbersetzungslisten von System-Variablen arbeiten. Wenn man es selber machen kann, gibt man es auch gerne weiter. Statt eines undurchsichtigen Kompaktprogramms tut es auch eines, in dessen Datenbank man auch als lokaler Administrator leicht eingreifen kann.

typo3

Im Bereich der eLearning-Plattformen ist die Auseinandersetzung zwischen open source und kommerziellen Lösungen zugunsten WebCTs ausgegangen. Ein grauenhaftes pidgin zwischen Englisch und schlechtem Deutsch erwartet die Benutzer (m/w):

“Es wurden keine Inhaltsdateien erstellt. Verwenden Sie die unten stehenden Steuerelemente zum Erstellen einer/eines neuen Inhaltsdatei.”

“Only SCORM modules that contain gradable content for which Schülers are assigned a grade …”

“Meine Noten:
Sie haben momentan keine neuen Noten.” (will sagen: Notizen: “You can access your notebook by clicking the Notes icon from the Course Toolbar.”)

Aber es ist auch Positives zu berichten. Die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit kümmert sich unter anderem um die Abstimmung der Homepages der Fakultäten. Und siehe da: sie empfehlen Typo3. Da kann sich der ZID etwas abschauen.

Es macht ja auch wirklich Sinn. In einer halben Stunde ist eine typo3-Instanz aufgesetzt. Man kann es ausprobieren, man hat massenhaften Benutzerinnensupport am Internet, beträchtliche Synergien sind die Folge. Während der ZID seine (nach einigen Mühen erstellte) WebCT-Installation wieder abbauen musste, weil die Firma nur dann Garantie gewährleistet, wenn sie die Kontrolle behält. (Vergleiche: Bücher lesen nur nach Genehmigung von IBM.)

top down Mentoring

Ein Mitglied des Universitätsrates ist zurückgetreten, der Senat muss einen neuen Kandidaten benennen. Die dortige Professorenmehrheit hat zwei Personen durchgesetzt. Einer war unlängst beim Hearing.

Ein alter Arbeitskollege des Sprechers der Professorenkurie aus München. Auf die Frage nach den Stärken der Universität Wien antwortete er: die große Tradition. Und Schwächen? Kennt er noch keine. Durch strukturpolitische Überlegungen im Hochschulbereich ist er nicht bekannt geworden. Auf die Frage, warum er diese Position anstrebt, war die Antwort “Weil ich es ausprobieren will.”

Soviel zu den Qualitätskriterien der Professorenmehrheit im Senat.

Nostrifizierungsblues

Die Universität Wien legt Wert auf internationale Verbindungen und will die führende Universität im zentraleuropäischen Raum werden. Dazu müssen u.a. ausländische Studien angerechnet werden. Einstweilen, oder besser gesagt neuerdings, hakt es dabei, wie folgendes Beispiel zeigt.

Ab 1.10. ist das Prüfungsreferat der alten Geisteswissenschaftlichen Fakultät für Nostrifizierungen nicht mehr zuständig. Wohin wendet man sich mit einem solchen Anliegen? An die neuen Studienprogrammleiter (m/w). Ein leidgeprüfter SPL schreibt dazu:

Die Auskunft des Prüfungsreferat war gestern völlig korrekt, denn am Montag am Nachmittag wurden diese Kompetenzen dem Prüfungsreferat überfallsartig entzogen, den Studienplanleitern aber nicht zugeteilt. Diese hätten auch gar nicht die Infrastruktur für derartige Nostrifizierungen.

“Nach drei Tagen wilder Aufregung” ist der Entzug zurückgezogen und das “alte” Prüfungsreferat ist wieder für Nostrifizierungen und Anrechnungen zuständig.

Sollten die zentralen Stellen der Universität darauf bestehen, das alte geisteswissenschaftliche Prüfungsreferat zu zerschlagen, dessen Aufgaben den Studienprogrammleitern zuzuteilen, ohne diesen personelle und räumliche Ressourcen zur Verfügung zu stellen, werden wahrscheinlich die geisteswissenschaftlichen StudienprogrammleiterInnen geschlossen zurücktreten müssen.

Die Stellungnahme schliesst mit der Bemerkung, dass eine Universität, in der funktionierende Strukturen ohne Ersatz beseitigt und Ressourcen derart verschleudert werden, nicht funktionieren kann.

Karrieremodell

Auf der mailing list “epoche” gibt es in den letzten Tagen eine Diskussion über das von Josef Broukal vorgestellte SPÖ-Modell für die Laufbahn von Universitätsangestellten. Zum hineinlesen.

Das Resultat formuliert J.Broukal, nachdem einige Missverständnissen und Unachtsamkeiten beseitigt worden sind, so:

Die SPÖ schlägt vor, die Hälfte aller wissenschaftlichen Uni-Stellen mit NEUER LAUFBAHN zu vergeben (gefällt mir besser als “tenure track”). Diese NEUE LAUFBAHN sieht in den ersten fünf Jahren keinen erhöhten Kündigungsschutz vor. Eine negative Evaluierung am Ende der fünf Jahre beendet das Dienstverhältnis. Nur eine positive Evaluierung führt in die nächste Stufe, “Junior Professor”, ab der ein erhöhter Kündigungsschutz gegeben ist: Das Dienstverhältnis kann nur beendet werden, wenn zwei Mal hintereinander die Evaluierung negativ ist.

Die andere Hälfte der wissenschaftlichen Stellen wird von Anfang an und deutlich ausgesprochen auf Zeit vergeben. Diese Dienstverhältnisse enden “kommentarlos”.

Ermäßigung

Man kennt das aus dem Pharma-Bereich. (Einstweilen ist es dort noch üppiger.) Das Geld muss irgendwo verdient werden. Die Lizenzgebühren der kommerziellen Plattformen werden wohl eine entsprechende Gewinnspanne enthalten.

auch in diesem Jahr wird das Team der Firma *** wieder zusammen mit WebCT auf der Online Educa 2004, vom 1.12. – 3.12.2004 im Hotel Interconti in Berlin mit einem Stand und weiteren, interessanten Veranstaltungen vertreten sein.

Als einer der Hauptsponsoren der wohl bedeutendsten E-Learning Konferenz in Europa, bieten wir und WebCT Ihnen die Möglichkeit, die Konferenz zu einem ermässigten Preis von ? 370,- anstatt ? 750,- zu besuchen,
…..
Bitte geben Sie unbedingt den folgenden Code: AC 138 in das Feld “Verbandsnummer” ein, damit Sie als WebCT Besucher zugeordnet werden können und die ermässigte Registrierungsgebühr gewährt werden kann.

Wir freuen uns darauf, Sie am WebCT Stand auf der Online Educa 2004 in Berlin begrüssen zu dürfen. Über weitere von uns und WebCT organisierte Veranstaltungen werden wir Sie rechtzeitig informieren.

Suchschleife

Heute ist etwas Neues passiert. Durch einen Anruf wurde ich darauf hingewiesen, dass eine Servereinstellung offenbar nicht funktioniert. Das war während einer Besprechung, eine Stunde später sah ich mir das Problem an. Anstelle der “Philosophischen Audiothek” war eine kryptische Fehlermeldung zu sehen.

In solchen Fällen “googelt” man, um nachzusehen, ob es schon eine Antwort auf derartige Störungen gibt. Offenbar ja, erfreut klicke ich auf die Fundstelle – und finde mich auf meiner fehlerhaften Webseite. Sie war in einer Stunde (auf google.at) der Tophit für diese Fehlermeldung geworden.

Finno-Ugristik

Die Universität Hamburg plant, nach dem Gutachten einer externen Kommission, bis zum Jahre 2012 die Hälfte ihrer geisteswissenschaftlichen Professorinnen-Stellen zu streichen. Der Österreichische Gewerbveverein findet das eine gute Idee und schreibt nach einem Bericht der “Presse”:

“Der Österreichische Gewerbeverein fordert ähnliche Richtlinien auch für Österreichs Universitäten. “Auch Österreich wäre gut beraten, seine Uni-Landschaft auf arbeitsmarktkompatible Absolventen oder vermarktungsfähige Erkenntnisse hin zu evaluieren”, erklärt der Gewerbeverein in einer Stellungnahme zum Hamburger Uni-Konzept.

Als Beispiel führt der Gewerbeverein die Studienrichtung Finno-Ugristik an der Uni Wien an. Diese könnte man “mit Sicherheit” an einer Budapester Universität effektiver studieren als in Wien.

a.o Univ.-Prof. Dr. PxE1l DerxE9ky schreibt dazu unter anderem:

Kolleginnen und Kollegen: recherchieren Sie, bevor Sie Schmarren schreiben. Schaun Sie wenigstens fünf Minuten nach, bevor Sie “mit Sicherheit dies und das” schreiben. Ein Anruf hätte genügt, um zu erfahren, dass Finno-Ugristik nicht nur ein (Magister)Studium bezeichnet, sondern ein Institut. An diesem Institut wird mehr angeboten, als ein Fach Finno-Ugristik (Info: www.univie.ac.at/Finno-Ugristik) Bspweise Ungarisch Lehramt. Hier werden MittelschullehrerInnen für die Schulen der ungarischen Volksgruppe im Burgenland und überhaupt, für Mittelschulen in Ost-Österreich ausgebildet. Und, stellen Sie sich vor, auch keinE AbsolventIn des Magister-Studiums Ungarische Literaturwissenschaft ist bis jetzt arbeitslos gemeldet.

Frau Univ.-Prof. Dr. Johanna Laakso merkt dazu an:

Auch der Gewerbeverein wäre gut beraten, sich – bevor er solche Statements abgibt – über die Tätigkeit des Institutes für Finno-Ugristik und den Wissenschaftszweig als solchen informieren zu lassen. Unser Institut, das einzige seiner Art in ganz Österreich, ist nicht nur für “Ungarisches” da, das man ja bequemer im Land der Pußta und Paprika studieren kann (sollten demgemäß alle unsere TurkologInnen in die Türkei und alle unsere AnglistInnen nach Großbritannien und Amerika geschickt werden?). Auch nicht nur für zwei weitere EU-Sprachen, Finnisch und Estnisch, sowie das Kenntnis dieser Länder und Kulturen, die ebenso in ganz Österreich auf Universitätsebene nur bei uns vertreten sind. Auch sind wir nicht nur für die Ausbildung von UngarischlehrerInnen da – diese Ausbildung gehört zu den sprachlichen Menschenrechten einer anerkannten alteingesessenen Minderheitsgruppe in Österreich (sowie vieler Zugewanderten) und ist an unserem Institut in Form
der Studienzweig Lehramt Ungarisch etabliert. Dabei geht es um die Ausbildung für das Unterrichtsfach “Ungarisch als lebende Fremdsprache” an höheren Bildungseinrichtungen, im Rahmen des österreichischen Bildungssystems – das keineswegs mit dem ungarischen kompatibel ist, so dass es von großer Ignoranz zeugt, zu meinen, man könne einfach Absolventen aus Ungarn einzuladen, die an Zahl zunehmen den Ungarischlernenden AHS, BHS etc.-Schüler in Österreich zu unterrichten.

Auf diese Entgegnung hat ein Herr Kainz vom Gewerbeverein die Chuzpe, seine Position so zu erläutern:

Erlauben Sie mir – sehr geehrte Frau Prof. Laasko, dass in der ÖGV-Aussendung der Begriff Finno-Ugristik mit jenem der xC4gyptologie durchaus austauschbar ist. Wobei ich verstehe, dass dies für Sie nicht einerlei ist!

Natürlich steht der ÖGV zur Aussage, dass Unis “arbeitsmarktkompatible Absolventen ausbilden oder vermarktungsfähige Erkenntnisse produzieren,” müssen. Wo kein Markt ist, wird auch nichts abgenommen.

Nun gut, der Gewerbeverein versteht es nicht besser. Für ihn ist zwischen Finno-Ugristik und xC4gyptologie kein Unterschied. Aber die Universitätsleitung!? Schweigt.

Entwicklungsplan inhomogen

Achim Mehlhorn, Rektor der Technischen Universität Dresden, schreibt:

Universitäten sind Institutionen mit einer extrem ausdifferenzierten Funktionalität. Sie sind gewichtete Mischungen aus Lehranstalt, Forschungseinrichtung, Ausgangspunkt für Wissens- und Technologietransfer und Quelle von Kultur. Die Gewichtung dieser Komponenten ist sicher abhängig von den Wissenschaftsdisziplinen und wohl auch eine Funktion der Zeit.”

Das muss man mit den Zielen eines “Entwicklungsplanes” zusammen sehen. “Entwicklung” bezieht sich normalerweise auf etwas Organisches, sagen wir die Fähigkeit zu schwimmen (vgl. der gestrige Eintrag). Oder auch auf die Entfaltung von Möglichkeiten eines Landstriches, einer Organisation, eines Talentes. In allen diesen Fällen geht es um “gewichtete Mischungen”, sonst hat man eine Weltmeisterin im Bodybuilding, ein Industriegebiet, oder eine Fachidiotin, statt einer aussichtsreichen Kombination.

Was heisst es dann, die Universität Wien zu einer der besten Universitäten Europas zu machen? Zu allererst ist darauf zu achten, wie die Gewichte zu verteilen sind. Davon liest man in den “Prinzipien” des Rektorats nicht.

schnell denken

Diese Woche bringt die Wiener Stadtzeitung “Falter” ein Interview mit dem Olympiazweiten im Rückenschwimmen Markus Rogan. Darin findet sich eine bemerkenswerte Aussage:

Derzeit kann ich, wenn ich ehrlich bin, im Vergleich zur Weltbevölkerung eindeutig besser schwimmen als denken …

Wenn ich so schnell denken könnte wie schwimmen, wäre ich ja der zweitbeste Denker der Welt. Oder der zweitbeste Rückwärtsdenker. Im Ernst, irgendwann hört das mit dem Leistungssport auf, und ich hoffe, dass ich dann besser denken als schwimmen kann.

Zu dieser liebenswerten Aussage fällt einem doch einiges ein. Zunächst einmal die direkte Parallelisierung der Qualitätskriterien: schnell schwimmen, schnell denken. Dann die eklatante Asymmetrie zwischen Leistungssport und Denken. Rogan meint ja nicht, dass er Gedächtniskünstler werden will. Es gibt doch einen Unterschied zwischen dieser Art der Fortbewegung und dem – jetzt hätte ich beinahe geasgt “guten Leben”.

Am Ende ist es dann doch “besser denken” (statt schneller). Anwendung auf die Universitätspolitik: da hat ein Spitzensportler die Kurve von quantifizierbarer “excellence” zu einer ausgeglicheneren Betrachtung gefunden.