Ein Ausnahmefall

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Leider muss man der Presse entnehmen, dass die Mehrheit unserer UniRats-Mitglieder eine ungewöhnliche Missbildung aufweist.

“Die Presse” vom 7.4.2008: Neuwahlen: Vakante Uni, fehlende Kontrolle

Ressort: Leben Lernen, S.9

WIEN. An der größten Universität des Landes ging alles glatt. Der neue Universitätsrat konstituierte sich am Tag des Funktionsendes des alten, der seit 2003 im Amt befindliche Vorsitzende Max Kothbauer wurde wiederum zum neuen Ratsvorsitzenden der Uni Wien gewählt, im neunköpfigen Rat wurden nur zwei Mitglieder ausgewechselt – was für eine größtmögliche Kontinuität spricht; und außerdem stellen die weiblichen Mitglieder mit fünf Köpfen die Mehrheit. Ein Ausnahmefall!

Und da haben wir noch gar nicht davon gesprochen, dass Max Kothbauer jetzt schon ein 2. Mal zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde. Wie oft kann man neuer Vorsitzender sein?

(Mit Dank an den bekannten Spender.)

kulturspezifisch (2)

Die elektronische Einreichung der Beiträge zu CATaC bereitet Schwierigkeiten. Zwei Formulierungen, die um Unterstützung bitten:

Mais, je n’arrive pas à comprendre comment m’y prendre pour l’envoyer sur le site de l’appel à contribution. Pourriez-vous m’indiquez s’il vous plait la démarche à suivre? En vous remerciant de votre compréhension, je vous prie d’agréer madame AA mes salutations distinguées.

Wer könnte da widerstehen? Andererseits das von einer Dame, die sich in der Signatur “Communication Expert – International Relations” nennt.

I created an account and tried to log in to the Conference site in order to upload BB’s paper proposal, however I did not succeed.

Therefore, I am sending the paper attached.

Sie haben eine geringe Toleranzschwelle, die Ungarinnen.

kulturspezifisch

Zur Vorbereitung einer Konferenz benutze ich das in den USA entwickelte “Open Conference System”. Die Autorinnen können ihre Beiträge selbst einreichen. Ich habe einige Erfahrung mit dieser Package, weil ich sie schon vergangenes Jahr für das Wittgensteinsymposium eingesetzt hatte. Diesmal tritt bei der Einreichung eine unerwartete Schwierigkeit auf. Dies ist ein Ausschnitt der betreffenden Maske:

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Kolleginnen (m/w) aus Frankreich verstehen das mitunter als Aufforderung, ihren Titel (z.B. Doktor) einzutragen. Das hängt vermutlich nur lose damit zusammen, dass sie die Bezeichnung “rank” im “bio statement” nicht darauf beziehen. Ihnen fehlt offenbar etwas in den Feldern zur Autorenbeschreibung.

keep smiling

Die p.r Expertinnen haben nun “den Auftritt” der Universität aktualisiert. Aus der distanzierten Hülle ist eine bunte, mit wechselnden Inhalten versehene, Erlebniswelt geworden. Die Gestaltung orientiert sich am Standard US-amerikanischer Blog-Sites. Ich kann dem Strategiewechsel nicht widersprechen, auch wenn meine Vorliebe eher dem alten Aussehen gehört.

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Eines allerdings ist traurig: die einfältige Bilderwelt, die nun die Hauptseite schmückt. Ein altes Haus, ein neues Haus und dazwischen viele viele lernbegierige Studentinnen (m/w). Man wollte die Seite lebendig und individuell gestalten und durch die Einschaltung des Terminkalenders und der “Aktuellen Meldungen” ist das auch gelungen. Aber dabei hat man abgebrauchte visuelle Klischees an die Spitze gesetzt. Diese Internationalisierung ist eine Applanierung.

zur Erinnerung

Die Universität Wien hatte eine Homepage in dezent zurückgenommenem Design. Schwarz-weiß, mit geringen Bitmengen. Das Foto des Hauptgebäudes und die Galerie der Schaufiguren delikat in einen weißen Hintergrund gezeichnet. Vier Absätze umrissen kurz den Anspruch und den Wirkungsbereich der Institution. 6 Textreiter boten den Zugang zu weiteren Informationen.

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Man soll das nicht glorifizieren. Design ändert sich und verfolgt wechselnde Zwecke. Dennoch: Es war eine Oberfläche, die nicht mit popularisierender Kumpelhaftigkeit arbeitete, sondern Zurückhaltung, ja eine gewisse Noblesse vermittelte.

Entwicklungsplan neu

Vergangenen Donnerstag hat der Senat vom Rektorat den Entwurf zum Entwicklungsplan bis 2012 erhalten. Er wird in der nächsten Sitzung (24.1.) zu diskutieren sein. Einige Bemerkungen nach der ersten Lektüre.

Der Entwicklungsplan ist ein Container unterschiedlicher Textsorten. Es findet sich Werbematerial, Grundlagendokumente, Strategiepapiere, Verzeichnisse und Absichtserklärungen. Im Vergleich mit der Vorgängerversion ist ein Akzent auf die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses gelegt. Die Durchlässigkeit zwischen Bachelor- und Masterstudium wird festgehalten. Für 2009 werden 5, für 2010 7 (neue oder verlängerte) Initiativkollegs angekündigt. Die Rolle des Lehramtstudiums ist festgehalten. Das ist eine positve Entwicklung.

Insgesamt ist das Dokument deutlich zu lang. Es hat stellenweise zeremoniellen Charakter und stellt keine strukturierten Lesehilfen zur Verfügung. Der Eindruck ist: Wir nehmen uns soviel Platz, wie uns gefällt. Eine editorische Überarbeitung wäre wünschenswert. Dokumente von ähnlichem Volumen haben die Historikerinnen im Rahmen der Bologna-Umstellung produziert. Dort haben wir auf eine schlankere Darstellung gedrängt.

Als Beitrag zur Verkürzung rege ich an, aus dem Kapitel über die Lehre das Strategiepapier “Bologna” aus dem Jahre 2005 herauszunehmen. Es ist ab diesem Jahr gegenstandslos. Auch die Passagen über die universitären Forschungsschwerpunkte sollten gekürzt werden. Hier besteht das Problem, dass einerseits eine 3-Jahresfrist für diese Projekte angegeben wird, andererseits aber die bereits 2 Jahre alten Schwerpunkte angeführt werden. Es gibt zu ihnen keine Rechenschaftsberichte und sie laufen (nach dem Papier selbst) in Kürze aus.

Das längste Kapitel bildet die Auflistung der Forschungsschwerpunkte der Fakultäten und die (gesetzlich vorgeschriebene) fachliche Widmung der Professorinnnen (m/w). Hier ist ersichtlich viel Arbeit darauf verwendet worden, der universitären Forschungslandschaft eine einigermaßen homogene
Struktur zu verleihen. Die Sprachregelung unterscheidet zwischen “Themenfeldern” und “Forschungsschwerpunkten”. Das eine sind die Fachgebiete, die eine Fakultät abdeckt, das andere sind hervorgehobene, aktuelle und erfolgreiche Spezialisierungen.

Es bedürfte einer längeren Mail, um diesen Abschnitt zu kommentieren. Das Ergebnis der Vereinheitlichungsbemühungen fällt gemischt aus. Manche Fakultäten halten sich nach den Vorgaben, andere scheinen sich eher einen Spaß daraus gemacht zu haben, sie subtil zu umgehen. Die 11 Forschungsschwerpunkte der Juristinnen z.B. sind auf imaginative Weise auch die Themenfelder. Dafür heißen “Foschungsschwerpunkte” in den historischen Kulturwissenschaften “Paradigmen”.

Auf einen Problempunkt sei noch hingewiesen.

“Fakultären Forschungsschwerpunkten soll entweder schon jetzt, oder in absehbarer Zukunft (in neuen Feldern) Exzellenzfunktion zukommen.”

Hier zeichnet sich ein Verständnis von Schwerpunktbildung ab, das die teilweise Zurückhaltung gegenüber dem Forderungen der Universitätsleitung verständlich erscheinen läßt. Nach dieser Aussage ist nämlich zu erwarten, dass in 3 Jahren neue Forschungsschwerpunkte gefragt sind. Das passt dazu, dass man immer dort dabei sein möchte, wo gerade etwas zu holen ist. Es steht aber in eklatantem Widerspruch zu einer nur einigermaßen nachhaltigen Qualitätspolitik. Wie soll man sich das vorstellen: Eine Fakultät bietet in einem Spezialgebiet internationale “Exzellenz” und in ein paar Jahren wechselt sie die Stiefel?

hors de pouvoir

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Der Ort ausserhalb der Macht, von dem Roland Barthes hier in seiner Antrittsvorlesung spricht, ist das College de France. Und er schmückt aus, was von vielen Kolleginnen zu hören ist. Sie sind nicht dazu da, um Gutachten zu schreiben, Geld zu organisieren und Preisausschreiben (i.e. Evaluationen) zu gewinnen. Sie dienen der “reinen Wissenschaft”. Sie wollen in Ruhe forschen.

“Träumen”. Bekanntlich fehlt im Traum die Negation. Es ist ein schöner Traum, dass in der Forschung lauter neuartige, unkontroverse Inhalte entwickelt werden. Danach setzt man sich einfach hin und “phantasiert” auf hohem Niveau. Roland Barthes hat vorgemacht, dass die Vorstellung nicht völlig unrealistisch ist. Aber sie grenzt an die Unmöglichkeit.

Im akademischen Zusammenhang das Wort ergreifen, das hat noch immer einen Anstrich von Herrschaftslosigkeit. “Die Wissenschaft ist frei.” Aber es muss sehr viel funktionieren, damit das ernstlich behauptet werden kann und zwar in Bereichen, die alles andere als unreglementiert sind.