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Steuerungsgruppe

A sculpture of a dinosaur and sheeps (10 meter...
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Ein seit der Einführung des UG02 beliebtes hochschulpolitisches Schema besteht darin, die Chefetage der Universität rhetorisch zu attackieren. In der Senatssitzung vergangenen Donnerstag bot sich dazu eine gute Gelegenheit. Die Evaluierung des Organisationsplans, die insgesamt stockend vorankommt und von der zuletzt im Oktober des vergangenen Jahrs in einer anfangs missglückten Online-Befragung zu hören war, liegt noch immer auf Eis. Es wurde mitgeteilt, dass es nach über drei Monaten noch immer keine Auswertung dieser Aktion gibt.

Ich nahm das zum Anlass einer deutlichen Kritik am Rektorat, auf die von den
Verantwortlichen heftig repliziert wurde. Es war keine schöne Episode, doch dann kam doch ein erhellender Moment. Ein Mitglied des Senates bemerkte trocken “Es ist verabsäumt worden, eine Steuerungsgruppe einzusetzen”. Damit war der Nagel auf den Kopf getroffen.

Einerseits ist das eine Kritik am Rektorat. Vorhaben dieser Bedeutung verlangen, um sachgemäß durchgeführt zu werden, heutzutage eine solche Konstruktion. Das Rektorat weiß das sehr gut und praktiziert es für gewöhnlich auch. Es ist unprofessionell, sich das hier zu ersparen. Andererseits war es auch eine Kritik am Kritiker. Statt sich über die Unzukömmlichkeiten aufzuregen, hätte er besser dafür gesorgt, dass eine solche Gruppe vorgesehen wird.

Der Zwischenfall gibt auch über den Anlass hinaus zu denken. Das Muster oben/unten, Vertuschung und Enthüllung, ist reichlich abgenützt. Das macht man heutzutage anders. Man setzt ein “steering commitee” ein. Wer ist dafür verantwortlich? Nun, die Beschickung einer Steuerungsgruppe erfolgt durch eine (oder mehrere) Steuerungsgruppen. Die Aufsicht über sozialrelevante Prozesse liegt bei Honoratioren, die sich in diesen sozialen Bedingungen verdient gemacht haben. Das ist die Politik der Stoßdämpfung durch stoßgedämpfte Dämpfe.

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Studieneingangsphasen

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Heute im Morgenjournal sprach Steven Soderbergh über seinen neuen Film “Der Informant”. Er wundere sich nicht, dass Politiker lügen, anders können sie nicht an der Macht bleiben. Vorher hörte man ein Interview mit Thomas Wallerberger, dem stellvertretenden Vorsitzenden der ÖH.

Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Herr Wallerberger lügen möchte, aber seine Aussagen sind mehrfach unwahr.

Thomas Wallerberger im Morgenjournal.

Leider sind Studieneingangsphasen im Moment eben diese knock-out Geschichte.

Es gibt in bestimmten Fächern knock-out Prüfungen. Und es gibt an der Universität Wien, den alten gesetzlichen Bestimmungen entsprechend, Lehrveranstaltungsgruppen, die als STEP bezeichnet sind. Beides hat konzeptuell nichts miteinander zu tun. Man kann, wenn man will, jede Lehrveranstaltung zum knock-out verwenden. In beinahe allen Studien an der Universität Wien ist die STEP keine Voraussetzung für das weitere Studium.

Ab dem Studienjahr 2011 müssen verpflichtende STEPs eingeführt werden. Dazu aus den Erläuterungen zur Regierungsvorlage:

Aus der gesetzlichen Umschreibung der Studieneingangs- und Orientierungsphase (Abs. 1) ergibt sich, dass sie dazu bestimmt ist, den Studierenden die Möglichkeit zu bieten, ihre Studienwahl zu überprüfen. Abs. 5 verdeutlicht diesen Charakter. Die mit ihr verbundenen Prüfungen haben auf den für das Weiterstudium erforderlichen Wissenserwerb abzustellen. Sie dürfen daher nicht so gestaltet werden, dass nur einer von vornherein bestimmten Anzahl von Studierenden (quantitative Zugangsbeschränkung) das Weiterstudium ermöglicht wird

Thomas Wallerberger behauptet weiters:

Studieneingangsphasen, die das Ziel haben, die Studierenden nach dem ersten Jahr zu halbieren oder zu vierteln sind versteckte Zugangsbeschränkungen …

In Zukunft sind solche Regelungen gesetzlich nicht zugelassen. Die gegenwärtige Situation sieht so aus: die STEPs der Kultur- und Sozialwissenschaften (um mich darauf zu beschränken) müssen nicht absolviert werden, um weiterstudieren zu können. Hingegen fallen im ersten Jahr (geprüft an der Statistik für 2007/08) tatsächlich etwa ein Drittel der Studierenden weg – und zwar ohne irgendwie geartete Sanktionen im Anschluss an eine Studieneingangsphase.

Es ist unzulässig, die schon sehr lange bestehende drop-out-Quote von einem Drittel im ersten Jahr als den vergangenen, gegenwärtigen oder künftig zu erwartenden Effekt einer STEP zu bezeichnen. Man kann das als falsche Information betrachten. Der Mann sitzt im Leitungsgremium der ÖH. Er müßte es besser wissen.

Lesezeichen

“11-14:00: Lernzeit nach dem Motto: Lernen und Protestieren. Anwesenheit genügt! In dieser Zeit möchten wir euch Raum und Ruhe geben um zu Lernen.”

Die beiden wichtigen Adressen: Unsereuni und Unsereuni Wiki.

Hier zwei philosophischer Ausläufer: Diskussion Philo Wiki und das Arbeitswiki am Institut für Philosophie

Tondokument: Herbert Hrachovec, Stellungnahme im Audimax der Universität Wien, am 31.10.2009.

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mitmotiv

Vergangene Woche, an einem Nachmittag, zwei kontrastierende Sitzungen.

Die erste mit den höchsten Amtsträgern der Universität. Sie sind von mehreren fähigen Abteilungsleiterinnen (m/w) umgeben. Als Vorsitzender der Curricularkommission bin ich zwar nicht vom “Chef” abhängig, aber die Aufgabe läßt sich nicht erfüllen, ohne in die organisatorische Logik des Bildungsbetriebs einzuwilligen.

Also funktioniere ich ebenso, wie die Kolleginnen. Kurz und prägnant, konstruktiv, dynamisch auf die nächsten Ziele gerichtet. Die eine Abweichung, die ich mir gestatte, wird durch die Broschüre der “Postgraduate Centers” provoziert. Ich begrüße die Einsparungen dieser Abteilung. Sie haben im Flyer ein “t” gestrichen: “Management und Wirschaft”.

(Die Verantwortlichen arbeiten schnell: die Kurzbroschüre ist von der Homepage nicht mehr zu beziehen. Man stößt auf eine Login-Screen von Typo3.)

Eine Stunde später die Sitzung der politischen Gruppe, die sich gegen die neuen Leitungsstrukturen ausspricht. Die Gegenseite. Klagen, Beschwerden, Proteste. Das Stolpern über jeden kleinen Stein, der Teilen der Belegschaft in den Weg gelegt wird. Die drohende Ausweglosigkeit als Antwort auf die bedrohliche Aufwärtskurve.

wirschaft

die vielen Schritte

One Step Beyond...
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Alle drei Jahre ist Senatswahl. Wie im vergangenen Durchgang gibt es wieder 2 Listen für den “Mittelbau”. Die “Plattform für universitäre Mitbestimmung”, die Herbert Hrachovec als Spitzenkandidaten aufgestellt hat, und die Liste “Universität gemeinsam neu gestalten” – ULV. Natürlich ist es interessant zu sehen, wie die Konkurrenz sich darstellt.

Kurz gesagt: recht jovial.

Unsere Kandidaten Gerhard Ecker, Gaby Kucsko-Stadlmayer und Germain Weber arbeiten seit sechs Jahren als Senatsmitglieder dafür, Euch Perspektiven für Eure Laufbahn zu eröffnen.

Unser ZIEL ist, die Rolle junger Forschender und Lehrender zu stärken, damit Ihr die Universität als Stätte freier Reflexion erlebt und Euer Potenzial bestmöglich entfalten könnt.

Das klingt wie ein Prospekt der Grünen zur Gemeinderatswahl. (Ja, stimmt schon, ich bin parteilich.)

Wir arbeiten für Euch mit Wissen, Erfahrung, Beharrlichkeit und Verhandlungsgeschick!

Es ist eine eigenartig markierte Position, die Anrede mit “Ihr” und “Euch”. Warum ist mir das beim Verfassen meines Werbetexts nicht eingefallen? Der Unterschied liegt darin, wie man sich an das Publikum wendet. Ein “Schau mir in die Augen” statt einer Bilanz. Theatralisch.

QUELLEN, DIE DAS VERTRAUEN STÄRKEN

Als Erfolg dieser Politik werten wir die vielen Schritte, die das Rektorat in den letzten Jahren mit uns ging …

Als das letzte Rektorat die vielen Jahre Schritte mit uns dieser Erfolg ging. Politik. Werten.

Zum Vergleich der Wahlaufruf der PLUM. Satire auch dort erbeten.

Gespräche in Tehran

Was für eine Heuchelei! Die Universität Wien pflegt internationale Kontakte und läßt sich von Iranischen Regierungsstellen den Aufenthalt einer Kontaktgruppe bezahlen. Wir reisen vier Tage durch das Land, treffen uns mit zahlreichen Kollegen und Universitätsfunktionären und finden eine Menge Interesse und Anknüpfungspunkte.

Nur um dann von unserer Universitätsleitung zu hören, dass ein Kooperationsvertrag natürlich nicht in Frage kommt, weil das auf den Widerstand der Kultusgemeinde stoßen würde. Wie der iranische Geschäftsträger uns vorgewarnt hatte: Die einschlägigen Telefonate lassen nicht auf sich warten.

Hier, als kleine Geste in die andere Richtung, Bridge to Iran: Conversations in Tehran.

mit uns

Da wir hier gerade eine religiöse Schiene haben, paßt der Verweis auf “Eine Gemeinschaft von großer Vielfalt”:

Emmanuel ist eine „internationale Vereinigung von Gläubigen päpstlichen Rechts”. Am 8. Dezember 1998 wurde die Gemeinschaft ad infinitum für die Gesamtkirche vom Hl. Stuhl anerkannt. Heute ist die junge Gemeinschaft in vielen Ländern der Welt aktiv. Vom Landwirt bis zur Studentin, vom Juristen bis zur Verkäuferin – Ehepaare, junge Leute und Singles gehören genauso zur Gemeinschaft wie Priester und zölibatär lebende Schwestern und Brüder. Jeder lebt in seinem familiären und beruflichen Umfeld und setzt sich besonders dafür ein, das Evangelium heute sichtbar zu machen.

Auf diese Vereinigung wurde ich aufmerksam, weil sie gemeinsam mit der kath.-theolog. Fakultät der Universität Wien einen Lehrgang anbieten will. Es gibt nicht wenige solche Lehrgänge, darunter Kurse für Lehrhebammen und Integrative Outdoor-Aktivitäten. In diesem Fall ist es aber etwas komplizierter, denn es soll um “Dialog und Mission in Europa” gehen. Das würde ich nicht inskribieren, ebensowenig wie “Kanonisches Recht für Juristen”. Aber als Programmpunkt einer Fakultät ist es doch ernst zu nehmen.

Vor allem, wenn man liest, wie ernsthaft versucht wird, der Sache den Anschein der Proselytenmacherei zu nehmen:

Der gesellschaftliche Auftrag verpflichtet die Theologie, im Angesicht verstärkter Präsenz des „Religiösen“, sowie intensivierter missionarischer Praxis der christlichen Kirchen, diese Prozesse wissenschaftlich zu begleiten. Sie hat in ihren Ausbildungen dafür Sorge zu tragen, dass Theologinnen und Theologen sowie akademisch ausgebildete Christinnen und Christen sich in dieser Situation reflektiert, kritisch und gebildet einbringen und die beschriebenen Transformationsprozesse verantwortet und handlungskompetent mitgestalten können. Dazu bedarf es fundierter universitärer Ausbildung jener Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die für pastorale Projekte mit missionarischem Schwerpunkt jetzt und in Zukunft Verantwortung tragen bzw. tragen werden. Dies ist ein wesentlicher Beitrag der Theologie an einer staatlichen Universität zu einer humanisierenden und friedenssichernden Gesellschaftspolitik.

Hat nichts geholfen. Aus dieser Passage hat ein rhetorisch gewiefter Student die Bezeichnung “Multiplikatorinnen und Multiplikatoren” herausgenommen und einer Mehrheit des Senates damit plausibel gemacht, dass wir im Falle einer Genehmigung Masterdiplome zum Gebrauch für Abtreibungsgegnerinnen verteilen.

Auf der einen Seite die Ambivalenz zwischen Gottesdienerinnen und Wissenschaft, auf der anderen der wohleingesessene Antiklerikalismus. Ich fürchte, ich muss weiterhin das Zwielicht vorziehen.

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Uni Wien bei Umstellung auf Bachelor-Studien fast am Ziel

Wien (APA) – Die Universität Wien ist bei der Umstellung auf die europäische Studienarchitektur, also mit Bachelor- und Masterstudien, fast am Ziel. Mit Beginn des kommenden Studienjahres werden auch die historisch – kulturwissenschaftlichen und die philologisch – kulturwissenschaftlichen Studien nur mehr in der Bachelor- und Masterstruktur angeboten, erklärte die Vizerektorin für Studierende, Christa Schnabl, am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien. Sprachstudien wie Germanistik, Slawistik oder Romanistik und historische Studien wie Archäologie, Zeitgeschichte, etc. können nur mehr in der neuen Studienform inskribiert werden.

Damit sind an der Uni Wien fast alle Studien umgestellt, Ausnahmen bilden nur noch jene, wo es gesetzliche Einschränkungen (Lehramtsstudien) bzw. eine Abstimmung mit den Berufs- und Standesvertretungen notwendig ist (Pharmazie, Psychologie, Jus und manche Theologie-Studien). Für Schnabl bedeutet das einen “historischen Punkt” für die Uni Wien. Das Studienangebot der größten Uni des Landes im Studienjahr 2008/09 – die Zulassungsfrist dafür beginnt am 1. Juli – umfasst damit 49 Bachelorstudien, 100 Masterprogramme sowie 21 Universitätslehrgänge.

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Senat 5.10.06

Einige Punkte zur gestrigen Senatssitzung.

Darin nicht erwähnt ist die Tatsache, dass der Senat u.a. für Empfehlungen in Personalfragen zuständig ist. Wer in ein definitives Dienstverhältnis eintreten will, hat einen Auftritt. Das Gremium ist dazu sachlich meistens nicht ausgewiesen. Von den fünf verhandelten Fällen war – wenn ich das recht sehe – in gerade einem Fall ein Vertreter aus dem passenden Fach.

Die gesetzliche Regelung zentralisiert und hierarchisiert Entscheidungen. Sie nimmt sie aus dem Zuständigkeitsbereich der Experten und verlagert sie auf die höchste kollegiale Ebene. Dort sollen sie anhand von externen Gutachten beurteilt werden. Die Gutachterinnen (m/w) schlägt die Akademie der Wissenschaften und der Fonds zur Wissenschaftsförderung vor. Nach Darstellung der zuständigen Vizerektorin reagieren diese Institutionen oft monatelang nicht auf Anfragen. Und die genannten Personen sagen reihenweise ab.