katastrophale Auswirkungen

 

 

Jean-Luc Nancy; Galilee 2012

 

 

 

Die TAZ bringt die kurze Besprechung eines unlängst erschienenen Buches von Jean-Luc Nancy: Kirschbaumblüte statt Atomausstieg. Es besteht aus einem Vorwort und dem Vortrag im Rahmen einer Videokonferenz: “Philosopher apres Fukushima” an der Toyo University. (Siehe auch deren Journal).

Da ein Projektseminar am Philosophieinstitut der Universität Wien im vergangenen Jahr eine Film zum Thema produziert hat, lohnt sich eine Lektüre. Ich werde in lockerer Folge auf weitere Beiträge aufmerksam machen.
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iTunes U Fundstücke

Soweit ich sehe verwenden vier österreichische Universitäten iTunes U. “Die Presse” spricht von einem “Aushängeschild“:

Zwischen der Technischen Universität Graz und der Universität Innsbruck ist in diesem Zusammenhang zuletzt sogar ein kleines Wettrennen entbrannt. Beide Unis haben im Sommer ihren Auftritt in iTunes U gestartet. Die Innsbrucker waren jedoch schneller, erzählt Josef Kolbitsch vom Zentralen Informatikdienst der TU Graz, nicht ganz ohne sich ein wenig zu ärgern.

Mit dem Angebot wird unterschiedlich umgegangen. Innsbruck freut sich seit 2009 über den ersten Platz:

Seit Oktober 2009 hat die Leopold-Franzens-Universität Innsbruck die Pionierrolle für das begleitende Studieren per Podcast übernommen. Als erstes Bildungsinstitut Österreichs bietet sie Vorlesungen, Lehrmaterialien sowie Informationen rund um Fakultäten und Campusleben als Audios und Videos auf iTunes U an.

Die Universität Graz verlinkt ohne Umstände direkt zu iTunes U und teilt dort mit, dass sie “entscheidend zum pulsierenden Leben der steirischen Landeshauptstadt” beiträgt: Universität Graz, iTunes U

In Salzburg hat man immerhin ein Bewusstsein davon, dass es nicht nur PCs und Macs gibt und erwähnt den von Andreas Kirchner im Kommentar zum vorigen Beitrag angesprochenen “tunesviewer” für Linux. (Leider ist er umständlich im Gebrauch und instabil.)

Diese Hochschulen haben sich also in einen pädagogischen Rahmen eingeklinkt, der vom weltweit größten Unternehmen entwickelt worden ist, um damit das Bildungswesen in seine Einflusssphäre zu ziehen. Sie betrachten das als Fortschritt. Um ein Urteil fällen zu können, sollte man ansehen, was sich in den letzten beiden Jahren unter diesen Adressen tatsächlich getan hat. Eine genauere Inhaltsanalyse schiebe ich auf. Aber gefahrlos ist das Unternehmen nicht:

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Das Grazer Angebot ist vielfältig und enthält u.a. Lehrveranstaltungen, Beiträge von Studierenden sowie Campusleben. Dass dabei niemandem aufgefallen ist, dass das erste Drachenbootfest auf der Murinsel einer “Kundenbewertung” und “Kundenrezension” unterzogen wird?

Der Zenmeister, der Krug und das Ereignis

Alain Badiou verbindet Mengentheorie mit Existenzialismus, oder soll man sagen, dass er sie durchmischt? Die Grundlegung der Mathematik befasst sich nicht mit Zeit, die menschliche Existenz dagegen ist immer im Augenblick verletzlich. Es gibt zwar einen Rundumblick, innerhalb dessen Menschen das sind, was sie waren und sein werden. Grammatisch kann das mittels der Vorzukunft ausgedrückt werden: “Ich werde sein, was ich schon gewesen bin”. Die Schwierigkeit ist, dass dabei die umwerfende Überraschung (“das Ereignis”) fehlt, die Badious Theorie ebenfalls vorsieht.

Ein Konzert hat mich auf den Gedanken gebracht, dass zu Badious Mixtur auch Zen gehört. (Das wird er vielleicht ungern hören.) Dan Tepfer spielte Bach, er hat 2009 eine CD mit Lee Konitz aufgenommen. In deren liner notes findet sich eine Zen Episode, von der eine Variation nach Alan Watts folgendermaßen lautet.

 

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Zur Freiheit

Eine Notiz in der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” präsentierte ein interessantes Resultat der neuronalen Kognitionsforschung. Das bekannte Libet-Experiment wird in der Regel so interpretiert, dass ein “Bereitschaftspotential” vor der bewusst gewollten “Entscheidung” zu einer Handbewegung diesen Vorgang im Gehirn anstößt. Ergo: Menschen glauben nur, aus eigenem Antrieb zu “handeln”. (Hier ein Überblick.)

Ein französisches Forscherteam hat auf der von Libet ausgearbeiteten Grundlage eine andere Interpretation vorgelegt. Es fügte zum Experiment die Aufgabe hinzu, motorisch auf unvorhersehbare Reize zu antworten und kam zum Ergebnis, dass

  • durch die Experimentalsituation eine allgemein erhöhte Handlungsbereitschaft hervorgerufen wird,
  • die nicht direkt mit zielorientiertem Handeln in Verbindung zu bringen ist,
  • sondern an stochastischen Fluktuationen des Nervenapparates hängt

Sowohl Flußkrebse, als auch Menschen, zeigen solche Potenziale. Die Untersuchung ist im Detail für Laien kaum verständlich. Ich erwähne sie wegen einer “open access” Beobachtung.

In den “Proceedings of the National Academiy of Sciences of the United States of America” ist der Artikel seit 6. August erhältlich. Zwei Tage Zugang kosten US$10.00.

Sollte jemand das Dokument jedoch von Pubget.Find papers fast beziehen wollen, zahlt sie US$20.50.

Und hier ist er gratis zu beziehen. Die Absurdität der Wissenschaft als Kleinhandel.

Der Harte, der Smarte und das Auditorium

Noch eine Beobachtung zur Feuertaufe des philosophischen Diplomprüfungszeugnisses, von der hier schon die Rede war.

Die zwei Hauptakteure, David der Harte und Konrad der Smarte, haben geboten, was zu erwarten war: eine nicht besonders inspirierte Showeinlage, eine kluge Replik. Was wehtut, ist die Reaktion des Publikums. Sind Studierende der Philosophie wirklich so unbedacht und nachgerade pöbelhaft? Man sollte, bevor man nach dem Augenschein urteilt, drei Dimensionen unterscheiden.

  • Die Anwesenden sind zu einem bestimmten Zweck versammelt, welchen der Eindringling temporär durchkreuzt. Wer in den Urlaub fliegen will, darf sich über den Streik des Bodenpersonals beschweren. Es gibt eine erlaubte Reziprozität zwischen dem Risiko der Störung und dem Unmut der Gestörten.
  • David der Harte bietet etwas an, nämlich Agitation gegen die Philosophieausbildung, wie er sie sieht. Er tut das lautstark und provokant. Das Publikum, das dieser Agitation ausgesetzt ist, provoziert zurück. Es würde anders reagieren, wenn Jürgen Habermas in der Vorlesung vorbeikommt. Es hat ein Recht, mit dem Gebotenen unzufrieden zu sein.
  • Erst wenn die ersten beiden Umstände berücksichtigt sind, kann man den wunden Punkt der Publikumsreaktion isolieren. Es ist zu vermuten, dass Zweifel über den Sinn des Philosophiestudiums auch im Auditorium zu finden sind, und dass die Gepflogenheiten des Studienbetriebs dazu beitragen, diese Zweifel zu überspielen. Dann stößt die Brandrede die Zuhörer auf einen internen Konflikt und sie reagieren verärgert, weil der Harte sich das erlaubt.

Was ist Ontologie? Hybride Hybris.

Die Insistenz der Leere ‘in-konsistiert’ als Delokalisierung.

“Sein und Ereignis”, Meditation 6: Alain Badiou synchronisiert aristotelische Überlegungen über die Leere mit von der Mengenlehre inspirierten Überlegungen. Oben befindet sich das Ergebnis. Es ist wie wenn einer die Tonspur eines Films auf stumm stellt und eine Radiosendung darüberlegt. Das führt zu neuen Effekten bei der Rezeption: Die Leere wird vom Horror zum Attraktor. Die Argumentation von Aristoteles bleibt weitgehend gleich, mit einer radikalen Wendung: Die Leere ist kein Ort an dem nichts ist, sondern ein Un-Ort, ein einziger a-topischer Punkt, wie die leere Menge.

Kreativ und faszinierend ist das sicher. Was entsteht ist weder die textgetreue Nacherzählung des traditionellen Materials noch eine streng-formalistische Einführung in die Mengenlehre, sondern ein Hybrid, “a system that can both flow and jump”. Ein Hybridauto bringt distinkte Antriebe unter eine Haube. Die Behauptung bei Badiou: Aristoteles metaphysische Schriften und Mengenlehre passen zusammen. Aber wie?

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diplombrennt

Die Verbrennung des Diplomprüfungszeugnisses durch David Tynnauer hat eine Spur durchs Netz gezogen. Zahlreiche flapsige Bemerkungen und einige überlegte Kommentare. Soweit ich sehe hat Gianna Reich den von Herrn Tynnauer auf Youtuber hochgeladenen Clip als Erste über Twitter geschickt. Eine rapide Verbreitung fand die Nachricht über das Blog der Bildzeitung. Der Perlentaucher bezog es von dort, die Geisteswirtschaft, das Lauerbrett, die Twitter-Trends. Weiter zu Siggi Becker auf Google+ usw.

Auf “quatsch” sorgte der Beitrag Andreas Kirchners für eine rekordverdächtige Zahl von Zugriffen vom “Bildblog”. Es war eine “Eintagsfliege”: nach den 1600 Klicks am 10. Juli fiel die Frequenz sofort wieder zurück. Um im Geschäft zu bleiben, muss man Nachfolgeeffekte und zur rechten Zeit neue Impulse generieren. Das ist nicht neu, Printmedien funktionieren genauso. Wie sieht es mit der verhandelten Sache aus? Unterscheidet sich eine webdokumentierte Aktion von einem Zeitungsbericht?

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Interpretationsschwierigkeiten in Kharkiv

Die eine Schwierigkeit ist die Landkarte, mit der die BBC Dokumentation über Stadiums of Hate die geographische Lage Österreichs gegenüber Polen veranschaulicht.

Weniger amüsant ist die Sequenz, in der ein Polizeioberst aus Kharkiv den Hitlergruß erklärt, den die Fussballfans im Metalist Stadion praktizieren: “They are pointing to their opponents”. Und er blickt zur Seite.

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peer review global

Vor 35 Jahren kannte man als aufstrebender Philosoph im deutschen Sprachraum zumindest einen Professor, der eine Zeitschrift herausgab und jungen Wissenschaftlern eine Publikationsmöglichkeit bot. Auf diese Weise habe ich im Salzburger Jahrbuch für Philosophie, im Wiener Jahrbuch für Philosophie und im Philosophischen Jahrbuch der Görres-Gesellschaft publiziert, bis ich Mut fasste und zur Zeitschrift für philosophische Forschung aufstieg. Der Kreis der Nachwuchstalente war überschaubar. Mentoren, die man damals noch nicht so nannte, kümmerten sich um den akademischen Nachwuchs.

Die Internationalisierung der philosophischen Forschung, der Publikationsdruck und die Ranking-Tabellen haben das gründlich verändert. Vor einem Monat erhielt ich die Anfrage eines renommierten skandinavischen Journals, ob ich einen Artikel über interkulturelle Ethik, “a transdisciplinarity-oriented study” beurteilen wolle. Das ist überhaupt nicht mein Fachgebiet. Irgendeine verquere Assoziation bei einer Google-Suche muss für diese Einladung verantwortlich sein. Neugierig war ich aber schon, daher sagte ich zu.

Wiley ist einer der wichtigsten Verlage im Buch- und Zeitschriftengeschäft weltweit, entsprechend professionell ist die Zugänglichkeit des Artikels und die Handhabung des Review-Prozesses. An die Stelle der persönlichen Bekanntschaft mit “älteren Staatsmännern” tritt eine Suchmaschine, eine Datenbankstruktur und ganz am Ende ein Schiedsrichter. Ich will das nicht abwerten, die Bedingungen haben sich geändert. Aber der Artikel hatte es wirklich in sich. Read more

Gobbledegeek

Definition:
gobbledegook: Babbling incoherently, making no sense, Being completely random.

 

 

The usability of the portal “designed” to administer EU research projects is a desaster. But wait till you are finally unable to figure out what is going on and forced to contact the helpdesk. You are presented with a form to fill in a description of the problem. After you have done so you receive a letter asking for you ID on the system – as if this could not be included in the form. This is what I got after providing the missing piece of information:

Hello,

We received so many emails daily and we base our resolution based on your info provided.
Please reply to the original email you sent us with this info so I can further analyze the issue.

The first sentence is just sloppy language: past instead of present time, confusing iteration of terms (“base”). “Resolution” of what? But the second sentence is an extraordinary show of confusion.

The customer has sent a mail to enquire about a problem. He is now asked to reply to this original mail, as if he were not only the sender, but also the recipient. Given that I reply to myself, how can another person analyze the issue?

Am I being too hard on the poor fellow on the other end of the line, or should one, in administering a research project that pays out the amount of 2 million EURO, be entitled to expect basic logic from the IT support?