Pilzkopf

Bin ich froh, dass dieser Auftrag an mir vorbeigegangen ist: Pilz lässt Hahn-Dissertation erneut prüfen.

Der grüne Abgeordnete Peter Pilz hat den als „Plagiatsjäger“ bekanntgewordenen Medienwissenschaftler Stefan Weber beauftragt, sich die Doktorarbeit Hahns nochmals auf möglicherweise abgeschriebene Textpassagen anzuschauen.

…

Pilz hält es für durchaus möglich, „dass Hahn unser Guttenberg sein könnte“. Der grüne Abgeordnete verwies darauf, dass sich Weber die Dissertation Hahns bereits im Jahr 2002 stichprobenartig angesehen hatte. Schon damals habe er Hinweise auf mögliche Plagiate gefunden, das seien „starke Indizien“. Nun gebe es neue technische Möglichkeiten, um das besser untersuchen zu können.

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natürlich künstlich

Die Idee stammt von Harald Staun in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Franz Josef Jung, der vorletzte deutsche Bundesminister für Verteidigung, hatte deutliche Defizite bei der Imagepflege. Wenn man Fotos seiner Afghanistanbesuche mit jenen seines Nachfolgers, Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg vergleicht, zeigt sich ein eklatanter Unterschied. Es ist nicht nur die offensichtlich höhere Fitness und schickere Frisur des jüngeren Ministers. Wer bitte hat erlaubt, dass F.J. Jung beim Autogrammschreiben von hinten aufgenommen wird? Und sie Szene mit zwei salutierenden Uniformträgern und dem verkniffen zur Seite gewandten Zivilisten darf die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit nicht durchgehen lassen.

Dagegen lassen sich die Fotos Guttenbergs tout de suite als Wahlkampfplakate verwenden. Berichterstattung?

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konfus?

Am 12.9. habe ich hier auf meinen Vortrag am Paraflows Symposium verwiesen, speziell auf das abschließende Beispiel aus dem Fussball-Bereich. Jana Herwig erwähnt Deutschland : Belgien in ihrem Blog Digiom.

Aber es gibt nicht nur Fussball-Liebhaber auf dieser Welt.

In Rhizomorph’s Blog findet sich ein härteres Urteil:

Die Ausführungen (i.e. zu Spinoza, h.h.) waren jedoch kurz und oberflächlich, und wurden dann von einem der vielen twist und turns in diesem etwas konfusen Vortrag durch eine unendlich lang dauernde Detailanalyse eines Fussballspiels, dessen theoretische Enbindung in den Vortrag ich nur am Rande verstanden habe und nicht im Stande bin wiederzugeben, abgelöst.

Sollte Interesse bestehen: hier ein (gekürzter) Ausschnitt aus der anschließenden Diskussion zwischen Jana Herwig und mir:

[audio:http://phaidon.philo.at/qu/wp-content/uploads/2010/09/im-disc.mp3]

Rhizomorphs Satz ist übrigens rizomorph in die Grammatik engebunden.

freispielen

Im Rahmen des Symposiums “Mind and Matter” von Paraflows 10 habe ich gestern diesen Videoclip gezeigt:

[flv]http://phaidon.philo.at/qu/wp-content/uploads/2010/09/Tor.flv[/flv]

Die Gehirnforschung untersucht unter anderem jene neuronalen Vorgänge, die “dafür verantwortlich sind”, dass wir bestimmte Bewusstseinszustände besitzen. Daran schließen sich bekannte Fragen an: Wie verhält sich eine Konstellation im Gehirn zu einem Gefühl oder Gedanken? Es wird versucht, Bilder von der Erregung des Nervensystems mit sinnvollen Erfahrungen zusammenzuspannen.

Aber die soziale Welt besteht nicht aus vereinzelten Gehirnen, die allenfalls miteinander Beziehungen aufnehmen. Spielregeln sind über-individuelle Abstraktionen, denen sich Körper (unter anderem Gehirne) anpassen. Thomas Müllers Querpass ist genial, nicht weil eine Gruppe von Neuronen gefeuert hat, sondern weil er gut Fussball spielt.

Und ausserdem ist der Spielzug philosophisch. Er öffnet die “Abwehrmauer”. Er zeigt die Personenverteilung in einem anderen Licht. Eine neue Handlungsmöglichkeit wird geschaffen.

Sex am Arbeitsplatz

Wissendes Lächeln: eine Kollegin schaut Dir über die Schulter, während Dein Monitor eine Porno-Seite zeigt und Du verlegen stammelst: “Diese Adresse habe ich gar nicht gewählt.” Das kann aber wirklich passieren.

In der Vorbereitung fürt den nächsten Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Philosophie gab es eine Diskussion über das nicht ganz taufrische ästhetische Konzept:

Wie kommt man an die Seitengestaltung heran, um ein Update zu versuchen? Der Quelltext zeigt, welche Vorlagen verwendet wurden.

Copyright (c) 2001 Thomas Brattli (webmaster@dhtmlcentral.com)

DHTML coolMenus – Get it at coolmenus.dhtmlcentral.com
Version 4.0_beta

This script can be used freely as long as all copyright messages are intact.
Extra info – Coolmenus reference/help – Extra links to help files ****

CSS help: http://coolmenus.dhtmlcentral.com/projects/coolmenus/reference.asp?m=37
General: http://coolmenus.dhtmlcentral.com/reference.asp?m=35
Menu properties: http://coolmenus.dhtmlcentral.com/properties.asp?m=47
Level properties: http://coolmenus.dhtmlcentral.com/properties.asp?m=48
Background bar properties: http://coolmenus.dhtmlcentral.com/properties.asp?m=49
Item properties: http://coolmenus.dhtmlcentral.com/properties.asp?m=50

Also wählt man die Hauptseite des Projekts http://coolmenus.dhtmlcentral.com/projects/coolmenus. Oops!

Es ist schon interessant, wie sich Pornographie in bei der Gestaltung philosophischer Webseiten bemerkbar macht.

Kronenzeitungsniveau

“Die Presse” brachte am Montag einen Bericht über den österreichischen Bologna-Komplex. Er ist gezeichnet von ROSA SCHMIDT-VIERTHALER UND CHRISTOPH SCHWARZ. Die Recherche führte Frau Schmidt-Vierthaler auch zu mir. Ihre Sachkenntnis zeigte sie mit der Frage, warum die Institute nicht konsultiert wurden, als man freie Wahlfächer aus den Curricula nahm. Die Seriosität ihrer Berichterstattung läßt sich aus der folgenden Dokumentation ermessen.

Eine Frage lautete, warum die freien Wahlfächer in einigen Studien stark reduziert wurden. Das schrieb ich zurück:

“Auf die Schnelle” ist sie nicht zufriedenstellend zu behandeln. Das beginnt damit, dass es im juridischen Sinn nirgendwo mehr “freie Wahlfächer” gibt. Die waren eine Erfindung des UniStG 1998, was eine eigene Geschichte ist. Mit der Bologna-Umstellung ergibt sich die Frage, wieviel “Bewegungsspielraum” in den neuen Curricula vorzusehen ist und zwar – anders als in den Diplomstudien – in einer Bachelor/Master-Abfolge.

Darüber muss man sehr genau sprechen. Die kurze Antwort auf Ihre Frage ist (das ist jetzt meine zusammenfassende Einschätzung): Eine inadäquate Regelung aus 1998 ist unter den Voraussetzungen der Hochschulautonomie an verschiedenen Universitäten und in verschiedenen Studienrichtungen in unterschiedlicher Weise korrigiert worden.

Daraus wurde Folgendes:

Für die Reduktion der Wahlfächer verantwortlich sind die Senate. Der Senat der Uni Wien sieht Wahlfächer als „inadäquate Regelung eines überholten Uni-Gesetzes“.

“Wahlfächer” kommen in den meisten bestehenden Curricula vor, “freie Wahlfächer” sind, wie ich deutlich machte, eine Kreation des UniStG 1998.

Es ist, wie wenn mich jemand fragt, warum ich laute Musik problematisch finde. Ich antworte, weil laute Musik meine Ohren geschädigt hat. Und die Person verbreitet nun, dass ich Musik problematisch finde, weil sie meine Ohren schädigt.

Die Folie als Folie

Im Rahmen von der Vorstellung von W.Coy: PowerPoint. Macht und Einfluss eines Präsentationsprogramms ist mir ein Lehrveranstaltungblock von vor ein paar Wochen aus der Technichen Universität in Erinnerung gekommen.

Es wurde der Effekt ausgenutzt, dass die Beleuchtungsstärke des Beamers geringer ist als die des Overhead-Projektors. Die Power-Point-Folien bildeten, wie sich auch aus der Ethymologie herauslesen lässt, tatsächlich den Hintergrund (es standen Axiome und Schlussregeln drauf). Sie schimmerte uns etwas verblasst entgegen, während der Dozent auf der leeren Overhead-Folie einen Beweis demonstrierte, wobei er die Folie als Folie für seinen Beweis verwendete und sich während dem Schreiben darauf bezog.

folie

Bitte auch den Disclaimer beachten. Ein Sinn der Abbilder wird erst im Rahmen einer bestimmten Situation heraus deutlich.

Mit der Kombination von vorbereiteten Folien und geführten Beispielen kommt man bei der Vermittlung mancher Themen schon recht weit.

Ob das ästhetisch ist, bin ich mir aber nicht sicher.

Summe des Lebens

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Ich schreibe über Bildung. Ein Bespiel für ihren Verfall habe ich schon mehrfach verwendet: “Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein” – die DM-Werbung in Abwandlung eines Goethe-Zitates aus dem “Osterspaziergang”. Ein zweites Beispiel in dieselbe Richtung setzt beim Beginn der “Marienbader Elegien” an:

Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt
gab mir ein Gott zu sagen, was ich leide.

Mir war in Erinnerung, dass Karl Kraus eine Abwandlung davon gegen die Mediengesellschaft seiner Tage gerichtet hatte. Die Recherche am Internet brachte es heraus. Die Zeile steht in der Fackel vom 13. Oktober 1908. So kann man es gut zitieren.

Plötzlich die Idee: ich habe doch – vor vielen Jahren – eine Anzahl originaler “Fackeln” bei einem Trödler entdeckt. Vielleicht ist die dabei? Und tatsächlich, von hunderten, ist diese eine Nummer in meiner Bibliothek. Ich lege sie auf den Scheibtisch, streichle das runzelige Papier, schlage die Seite auf.

leiden-sagen

Karl Kraus vollführt einen doppelten Karateschlag mit geben/nehmen und dem Wechsel der Wortstellung. Was für ein brillianter Zug. Die vergilbte Broschüre in der Hand, der satirische Orgasmus, nahe am Glück.