Kein leeres Blatt

Vor 2 Wochen wurde ich auf Facebook nominiert. Eine Art virale Kampagne. Die Anleitung lautete in etwa:

  • Nimm ein leeres Blatt Papier.
  • Schreibe eines deiner Talente auf das Papier.
  • Poste in Facebook/Twitter ein Selfie, auf dem du mit dem Blatt zu sehen bist.
  • Nominiere drei Freunde.

Hier bitte, mit einer kleinen Verschiebung:

Verspielte_Ernsthaftigkeit
Kein leeres Blatt
ein gerastertes, palimpsestartiges Gebilde
eine Schicht verblasst
Neues schreibt sich in das Bestehende ein
manchmal von unserem Willen gestaltet

Im Rücken die Bücher
so zeige ich euch Text auf einem Tablet
man photographiert nicht gegen das Licht
darum bleibt der Bildschirm schwarz
Eine App modifiziert einige Pixel
und hinterlässt eine Signatur im Bild
ohne mich zu fragen

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Beyond judgement? Protestkunst Unibrennt

“Bei der Erzählung einer wohlbekannten und somit klassifizierbaren Geschichte kann ein “beiläufiges” Detail die ganze Tragweite der Geschichte verändern.” (Michel de Certeau, Kunst des Handelns, S. 174)

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Dieser Blog-Eintrag handelt von der Arbeit mit Bestehendem. Konkret von einem Artikel eines Kunstmagazins über Kunst im Zeitalter der Digitalisierung, der Unibrennt-Bewegung (Welche beim Festival für digitale Kunst Ars Electronica einen Preis bekam), und dem reichhaltigen Buch “Kunst des Handelns” von Michel de Certeau (eine Mischung aus pointierten Aussagesätzen und komprimiert-verschachtelten spekulativen Überlegungen), in dem es um die inkorporierte Intelligenz der Alltagspraxis geht.

Der Artikel ist auch ein Plädoyer fürs Ausprobieren – und fürs Ins-Spiel-Bringen von Heterogenem.

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Beratungsmuster

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Vor langer Zeit, als es an österreichischen Universitäten Personal- und Berufungskommissionen gab, die aus Professorinnen, Mittelbau und Studentinnen kollegial zusammengesetzt waren, beobachtete man eine bedenkliche Entwicklung. Es kam oft auf den Durchschnitt an, den Kandidatinnen aus den ziemlich divergenten Interessen zu ziehen vermochten. Die Tendenz ging in Richtung “nirgends anstreifen” und wer die Umstände gut kannte, hatte die besten Chancen. Wo sind die Zeiten hin?

Ein “Doktoratsbeirat” wacht mittlerweile darüber, dass nur solche Studierende im Doktoratsstudium betreut werden, die in einer “fakultätsöffentlichen Präsentation” bestehen. (Ich war Vorsitzender der Curricularkommission der Universität, als das beschlossen wurde.) Dabei ergibt sich ein anderes Bild.

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Die alten e-Mail Listen

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Ein Beitrag auf einer Mailing Liste

 

Liebe alle,

vorerst moechte ich mich oeffentlich darueber freuen, dass die “Epoche” wiederum eine Traegerfunktion fuer eine ganz wichtige universitaetspolitische Diskussion uebernehmen konnte. Wenn zumindest der kritische Teil der Kollegenschaft … mit Hilfe eines engagierten Kommunikationskanals unzensuriert ueber die Empoerungen der Basis informiert wird, bleibt dies ein ganz wertvoller Bestandteil unserer inneruniversitaeren Kommunikation.

2003, mit dem Inkrafttreten des Universitätsgesetzen 2002, schien es mir nötig, ein öffentliches Forum zur Diskussion und Kritik seiner Auswirkungen zu schaffen. Die Web-Anzeige des Personalstands an der Uni Wien hatte einen Bug, durch den man mit einem geeigneten Suchbegriff in einem Durchgang sämtliche Mail-Adressen der Beschäftigten abfragen konnte. Ich machte daraus eine Massenaussendung an ca. 3500 Personen – mit etwas Bauchweh. Aber die Initiative erfüllte ihren Zweck und sie besteht noch immer.

Heute würde man eine Fascebook-Gruppe gründen und “Freundinnen” sammeln. Hier eine kleine Aufstellung der auffälligsten Unterschiede:
 
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Begriffsanalyse, Unschärfe und wieder zurück

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Eine Aufgabe der Philosophie ist Begriffsklärung. Zum Beispiel spricht man vom “E-Learning”. Es handelt sich, soviel lässt sich sicher sagen, um Lernen im Umfeld digitaler Netzwerke. Sonst noch etwas? Dazu muss der Einfluss untersucht werden, welchen das Präfix “E-” auf die Bedeutung von “Lernen” ausübt. Das Thema wurde in meiner Vorlesung “Bildung und Datenbanken” vom einfacheren Beispiel “E-Mail” her diskutiert.

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Klartext rappen

Wie mit Missständen – unbefriedigenden Zuständen – umgehen? Eine praktische Antwort, die mich schon eine Weile fasziniert aber auch herausfordert kommt von der Rapper-Künstlerin Sookee. Die 31-jährige ist in der eher Männer- dominierten Hip-Hop Szene Berlins aktiv, einer Szene die Labels wie “Aggro Berlin” geboren hat, bei dem Bushido und Sido unter Vertrag waren.

Sookee’s Songs basieren ebenfalls auf mitreißenden Beats, Punchlines und rhythmisch gesprochenen Texten. Jedoch ist ihre Beziehung zu Hip Hop kaum zustimmend. Zum Beispiel geht es in Songs wie “Who Owns Hip Hop?” Oder “Purpleize Hip Hop” um Praktiken und Sprechweisen in der Szene und den Mut, diese zu verändern. Wenn eine Person ihr Selbstbewusstsein dadurch aufbaut, dass sie andere kontinuierlich zu Opfern stilisiert, wenn Macht und Muskeln als Argument ausreichend sind, und Songs in diesem Stil die Charts stürmen, dann könnte einem die Luft wegbleiben. Doch Sookee rappt:

“We don’t imitate – we intimidate”.

“Unsere Waffe heißt Subversion. Sie steckt in unserem Lachen, im Unterton.
Du wirst schon merken, wie real dis is, fragen ‘was jetzt?!’
Wenn deine Lady dich dropt und mich abschleppt”
(Sookee – Purpleize Hip Hop)

szene

Jemand nimmt die Herausforderung an und fordert seinen Platz im Kampf ein. Zu welchem Preis? Schreibt sich die Spur des Bestehenden ein? Wenn ich mich auf eine Konfrontation einlasse, beanspruche ich Macht in der Auseinandersetzung. Ich brauche etwas Effektives, um die bestehende Herrschaft herauszufordern. Das ist bedrohlich. Ist es auf dieselbe Art bedrohlich wie die herrschenden Verhältnisse für die Marginalisierten? Kommt also die Imitation durch die Hintertür? Oder gibt es eine Macht, die es zwar ermöglicht, sich selbst in ein Verhältnis zu einer Szene zu setzen, dann aber nicht voraussetzt, andere permanent in Rollen zu zwängen, die nicht ihre sind?

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IJCSE

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“IJCSE” is a funny acronym, a chameleon term, changing its meaning like the color of the animal. How do I know? It starts with my hitting on an article titled Massive Open Online Courses : A New Dawn for Higher Education? I have sketched the ackwardness of this piece, culminating in the inclusion of editorial advices into the published text. This glitch occurs in a journal which boasts an highly elaborate review process and claims to be

a leading international journals for publication of new ideas, the state of the art research results and fundamental advances in all aspects of computer science and engineering. IJCSE is a scholarly open access, peer reviewed(refereed) international journal

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Buchnotiz

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Die kommende Sendung der “Philosophischen Brocken” auf Radio Orange wird eine Anzahl von Buchbesprechungen bringen. Hier vorweg ein Beitrag zur Orientierung über ein kleines Detail: beim Attentat auf Anwar al-Sadat hätte Leutnant Islambuli auch den Vizepräsidenten Hosni Mubarak töten können. Warum tat er das nicht?

Das Innenleben einer Drohne

Gestern im Rahmen des Vienna Summer of Logic: Logic Lounge ein Gespräch zwischen Moshe Vardi und Herbert Hrachovec:

Drones with a guilty conscience: the ethics of Artificial Intelligence

Hier das Eröffnungsstatement:

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“We agreed that I would start with something provocative …”

 

Bewegliche Ziele

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Hin und wieder teile ich über die “Gefällt mir”-Funktion von Facebook meinen Kontakten mit, welche Artefakte oder Themen mich beschäftigen. Vor einigen Wochen habe ich den Film “Still Life” von Uberto Pasolini auf diese Weise geteilt. Ich gab den Titel in die Suchbox ein, und es erschien ein Bild des Protagonisten John Mae (gespielt von Eddie Marsan), der untrennbar mit dem Film verbunden ist. Ein Klick auf “Gefällt mir” bewirkt einen Eintrag auf meinem Profil, der stellvertretend für die Aussage steht: “Still Life ist ein guter Film.”

Heute sehe ich ein unbekanntes Bild über dem Text “Still Life” bei den “Gefällt mir”-Angaben: Zwei Asiaten auf einem Motorrad.

likes

Ein Klick auf das Bild ergibt, dass der Film von Uberto Pasolini mit dem gleichnamigen Film des chinesischen Regisseurs “Jia Zhangke” zusammengelegt wurde. Das stört den Bezug zum guten Film den ich auf meinem Profil herstellen wollte. Sogar das Icon, das stellvertretend für den guten Film steht, hat sich verändert.

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