“I want to confess to you…”

Als erste Reaktion auf einen Podcast über Verzeihung veröffentliche ich einen kurzen Text, den ich vor 2 Jahren geschrieben habe. Er beschreibt ein wenig die widrige Situation, wenn Verzeihung ein Thema ist:


Mein Tag hat heute morgen damit begonnen, eine Episode meiner Arbeitskollegen über Geständnisse mitzuhören “I want to confess to you…”. Jemand hat den Punkt gemacht, dass man nach dem Geständnis fünf Ave Maria betet und dadurch seine Sünden losgesprochen werden. Das ist auf mein Interesse gestoßen, weil es nicht so einfach ist.

Read more

Um Gottes Willen, was ist geschehen?

Ein Film macht die Runde. Der deutsche Titel bezieht sich nicht auf Gott.

Freiluftkino im Weingut
=======================

Freitag, 10. Juli 2015, bei Einbruch der Dunkelheit

wir zeigen den Film “Monsieur Claude und seine Töchter”

ab 19.30 Uhr gibts Kaiserspritzer und belegte Brötchen
der Film startet mit Einbruch der Dunkelheit um ca. 20.45 Uhr

Grosskrut – am Kellerberg

Sehr verehrtes Kinopublikum!

Mit einer französischen … Komödie startet der Filmclub in den Kinosommer.

Monsieur Claude und seine Töchter
Samstag, 18. Juli 2015 – 21.00 Uhr im Hof des Kulturgasthauses Failler

Einen schönen Sommer wünscht
der Filmclub Drosendorf

Kino am Dach: Das Sommer Open-Air-Kino auf dem Dach der HauptbüchereiMONSIEUR CLAUDE UND SEINE TÖCHTER

MONSIEUR CLAUDE UND SEINE TÖCHTER

FR 2014, 97 Min.

Regie: Phillippe de Chauveron, mit Christian Clavier, Chantal Lauby, Frédéric Chau, Frédérique Bel, Julia Piaton, Medi Sadoun, u.a.

Das Ehepaar Claude und Marie Verneuil lebt zufrieden in der Provinz und ist stolz auf seine vier schönen Töchter. Die lieben und verheiraten sich allerdings mit Vorliebe schräg durch die Kulturen – zum Leidwesen des arg gebeutelten Papas. … Fazit: Vier Hochzeiten und viele Kulturschocks: Der Nummer-1-Hit in den französischen Kinos begeistert mit radikalem Witz.

Read more

Athen und Bologna

2010-08-22_13-26-28

 

Jean-Claude Juncker spielt seit dem Scheitern der Verhandlungen vorletzte Woche keine öffentliche Rolle in der Griechenlandkrise. Antonis Samaras, der frühere Premierminister, hat den Parteivorsitz zurückgelegt. Die überwältigende Ablehnung der Vorschläge aus Brüssel lässt für Vermittlungsversuche keinen Platz. Beide haben versucht, zwischen der Herrschaftslogik der Geldgeber und den Lebensansprüchen der griechischen Bevölkerung zu lavieren und sich dabei schließlich eine Abfuhr geholt.

Die Abfuhr ist verständlich und: ich stehe auf der Seite der beiden Verlierer. Diese in sich gebrochene Position soll ein Rückblick auf Erfahrungen in der Universitätspolitik erläutern.

 

Read more

Unter alten Linden liegt Waxenberg …

wxb

Ernst Rüdiger Starhemberg, ein oberösterreichischer Adeliger, beschreibt das “liebe alte Haus” in dem er als Kind und Jugendlicher den Sommer verbrachte.

… ein schlichter einstöckiger Bau, bis unters Dach von immergrünem Efeu bedeckt. Träumerisch plätschert im Schloßhof ein alter Granitbrunnen, von Moos überwachsen.

Read more

Heimat und Vergangenheit

Herbert Hrachovec war als Kunde Teil einer paradigmatischen Szene in einer Trafik. Darin wirft die Verkäuferin ihm, unter den Augen des strengen Inhabers, einen Blick zu, der den Kunden auf seine Seite ziehen will. Der Blick wird zum Symbol für einen Aspekt von Heimat. Eine Frage wird aufgeworfen:

(Wie) Kann man aus diesem Blick, einem unhinterfragbarem Vertrauensbeweis, “immer weitere Möglichkeiten erhalten”?

Die Frage macht einen Aspekt sichtbar, der in meinem letzten Blog-Beitrag über Heimat und Fremdheit ausgeblendet wurde. Heimat ermöglicht nicht nur die Erkundung von Neuem durch die Tatsache, dass man irgendwo angefangen hat. Konstellationen in der Heimat stellen einen vor die Wahl, eine begrenzende Wahl: Weggehen oder bleiben. Doch diese Wahl ist eine scheinbare, weil man die Heimat weder loswerden noch in ein ursprüngliches Verhältnis zu ihr kommen kann. Das macht Heimat und Vergangenheit verwandt. Im Folgenden ein paar Überlegungen dazu. Darin fließen eigene Erfahrungen sowie die Lektüre von Texten von Michel de Certeau und Paul Ricœur (via Hans-Dieter Gondek) ein. Sie kommen schließlich auf die Schuldenkrise Griechenlands zu sprechen.

Read more

Heimat: Hafen und Hölle

IMG_0499

Andreas Kirchner schreibt im vorigen Blogeintrag:

Daraus kann ich mein Verständnis von Heimat gewinnen: Das, was einem ermöglicht, etwas Neues auszuprobieren. Ein Ort, von dem aus man aufbrechen und aus dem man immer weitere Möglichkeiten erhalten kann. Genauso wie meine Identität ist dieser Ort nicht eindeutig, er ist entzogen, zeigt sich fragmentarisch.

Ich möchte das an einer kurzen Episode testen, die sich unlängst in einer Tabaktrafik zugetragen hat. Es geht dabei nicht direkt um Heimat, wohl aber um die Herstellung von Identität und Fragmentierung an einem Ort der Möglichkeit und Flucht.

 

Read more

Einfach zu verschieden

NichtsGemeinsam

“Wir haben nichts gemeinsam.
Wär’ vielleicht leichter wenn wir gleich wären, doch ist nicht so einfach.
Wir haben nichts gemeinsam, wozu die Heuchelei?

Freunden wir uns damit an, wir werden niemals Freunde sein.”
NMZS & Danger Dan – Nichts gemeinsam

In der Musiksendung “Heimatsound” im Bayrischen Fernsehen gibt die in München lebende Rapperin und Architekturstudentin Ebru Düzgün alias Ebow ein Interview. Darin nennt sie ein wichtiges Merkmal der gegenwärtigen Kultur:

“Multikulti ist an sich ein falscher Begriff, denn der Grundsatz dieser [heutigen] Kultur sind die vielen Kulturen. […] Multikulti kann man gar nicht mehr sagen. Das ist die Kultur jetzt.”

Die Vielfältigkeit ist ein Fakt. Die Ko-Existenz, das tatsächliche Zusammenleben mit Menschen mit verschiedenen Wertvorstellungen und sozialen Praxen ist jedoch nichts, das durch Gesetze geregelt werden kann. Unabhängig davon, von wo jemand kommt, weist unsere Gesellschaftsform Merkmale auf, die einen bestimmten Umgang mit Neuem nahelegen: Die Zitation von Elementen verschiedener Quellen wird gefördert und in einem scheinbar neutralen und säkularen Zusammenhang, der von ökonomischen und medialen Bedingungen mitgeprägt ist, präsentiert:

heimatsound

 

Songs von Ebow einerseits und Hubert von Goisern andererseits finden sich nacheinander auf Volume 1 des Heimatsound-Samplers. Das aus “Heimat” und “Sound” zusammengesetzte Wort gibt bereits einen Hinweis auf die Kombination von Quellen unterschiedlicher Herkunft, aber auch darauf, dass das unkommentierte Nebeneinander-stehen-lassen nicht das Ende der Weisheit sein kann. Eine Aufgabe für die Konsumenten. Was unter dem Motto “So klingt Heimat” zu finden ist, ruft nach einer Auseinandersetzung. Es ist attraktiv, alles zusammenzuhören und als gleichberechtigte Beiträge und Indiz für die Vielfältigkeit der Heimat zu bewerben. Dem werde ich zuerst mit der Behauptung begegnen, dass die Werke der beiden Künstler (m/w) nichts gemeinsam haben. “Nichts gemeinsam” – so lautet auch ein Song der Antilopen Crew, der oben verlinkt ist, der einige Gedanken bei mir provoziert hat. Es folgen dann Überlegungen über die Zugänge zum Thema Heimat und Identität – aus Sicht und Gehör eines Amateurs.

Read more

“Ich bitte Sie alle: sind Sie aufmerksam!”

I_gehdenken

Gerd Bachmann macht auf einen ORF-Bericht aufmerksam[1. Ich beziehe mich auf seinen Beitrag in der mailing list epoche. Zugänglich für Subskribentinnen]. Es geht um das “Fest der Freude” zum Gedenken an das Ende des 2. Weltkriegs.

Die Zeitzeugin Helga Emperger, die erzählte, wie sie 1944 von der
Gestapo inhaftiert wurde, appellierte an die Besucherinnen und Besucher:
„Seien Sie aufmerksam, seien Sie wachsam, und sollte es irgendwo
Tendenzen geben, die unsere österreichische Demokratie gefährden, stehen
Sie auf!

Read more

israeliticam dignitatem

st.gallen-sakramentarst.gallen-sakramentar2

Lessings Ringparabel hat Saison. Sie passt gut in das Profil der Veranstaltungen zur 650-Jahr-Feier der Universität Wien[1.Lessings Ringparabel und die Verständigung zwischen den Religionen]. Sie markiert den Kontrast zum mörderischen Religionskrieg im mittleren Osten und gibt Gelegenheit, die eigene Toleranz zu feiern. Man sollte sich dabei vor Augen halten, dass der Effekt des Lehrgedichts auf Voraussetzungen beruht, die selbst nicht fraglos gelten[2.Annäherungen an Toleranz]. Lessing lässt jedoch keinen Zweifel darüber aufkommen, worin die Pointe besteht.

Alle positiven und geoffenbarten Religionen sind folglich gleich wahr und gleich falsch.[3.Lessing über geofffenbarte Religion]

Der Intellektuelle verbirgt sich hinter einem sphinxischen Lächeln. Das ist mir zu einfach. Noch einfacher wäre akzeptabel, wenn er die die ganze Frage für unsinnig erklären würde. Aber das ambivalente Spiel mit Wahrheit und Falschheit ist eine Rafinesse für Connaisseurs. Unter Umständen muss Wahrheit auch Anstoß erregen. Ein Anschauungsbeispiel folgt.

Read more

Unendliche Mengen. Teil 2: Limesordinalzahlen. Oder: Frauen?

hungry_for_your_touch_1971_jan_saudek

“It is a fact, that there is no limit point. If there is no limit point, there is something infinite, virtually. But we will never be in the point without limit. If we continue the repetition, we are always in the finite, we don’t encounter the limit of the absence of limit. The absence of limit is only the possibility to do the succession once more. But this ‘once more’ is only the ‘without limit’ and not the positive presentation of something infinite.” Alain Badiou – Infinity and Set Theory – Repetition and Succession (2011)

Wir haben in der letzten Episode anhand von Javascript gesehen, dass das Zählen zwar prinzipiell weitergehen kann, jedoch praktisch, um nicht in der Endlosschleife hängen zu bleiben, ein Ende finden muss – bis auf Weiteres.

Die Regel, die das Weiterzählen vorschreibt, ist kein Gesetz das uns einschränkt, sondern ein Hilfsmittel, mit dem wir beliebig viele gleichartige Zahlen erzeugen können. Was heißt gleichartig? Der Modus Operandi der Erzeugung dieser Zahlen bleibt stets gleich: +1, +1, +1, … Damit reihen  sich die Zahlen in eine Ordnung ein und sind gleichzeitig Schöpfungen, dessen Eigenschaften und Ähnlichkeiten man untersuchen kann. x ist eine gerade Zahl, x ist eine Primzahl, usw.

Die Mengentheorie nimmt die Regel des Weiterzählens zur Kenntnis, setzt sie aber an einer Stelle aus. Man kann fragen: Gibt es eine Zahl, die dieser Regel entkommt, d.h. eine Zahl, die sich nicht durch die Anwendung der Regel begründet, die von 0 beginnend einen Nachfolger produziert? Was wenn wir uns entscheiden, die Existenz dieser Zahl anzunehmen? Dann können wir -woanders- weiterzählen. Was ist passiert? Hilft uns das weiter?

Read more