auf der Kugel baumeln

Kabale und Liebe, Schauspielhaus Köln
Kabale und Liebe, Schauspielhaus Köln
  • “Das passt zu Solbergs Idee, Luises verhängnisvollen Brief als Video zu inszenieren, das wiederum das berühmte Musikvideo zu Miley Cyrus’ “Wrecking Ball” auf überraschend prüde Weise zitiert.” 1
  • “Bei Schiller schrieb sie dazu den erzwungenen Brief an Ferdinands angeblichen Nebenbuhler. Solberg aber lässt Luise ein Filmchen drehen, auf dem sie sich wie Miley Cyrus im Musikvideo “Wrecking Ball” lasziv auf der Abrissbirne räkelt.” 2
  • “Auf dem Feuerlöscher, aus dem ein verzweifelter Ferdinand Luise bespritzt steht Capitalism – der Schriftzug erinnert an Coca Cola (damit wurde Luise zuvor eingenässt).” 3
  • “Eine phantastische Premiere, ein großartiger Theaterabend! Mal wieder ein begeisterndes Ensemble, welches textsicher (auch das sei mal bemerkt!) mit seiner Präsenz den Spagat schafft, ein zutiefst menschliches – und nach wie vor (immer) aktuelles – Thema mit Schillerscher Sprache und hochaktueller Zitaten in einer sensationellen medialen Bühnenlandschaft (!) auf den harten Boden der Depot-Spielstätten bringt! DANKE !!!” 4

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Wir wollen Zitate

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Eine Parodie, so wie die im letzten Kommentar angeführte ist umwerfend im Wortsinn. Die Relokalisierung des Werks modifiziert seine Effektivität. Die Repräsentation durch die Parodie bringt einen Themawechsel oder eine Themaverschiebung. Sie macht durch Verfremdung einzelne Features des Werks sichtbar und diskutierbar, die im Werk mesmerisierend wirken. Manch Luftschloss löst sich auf – zum Nutzen oder Nachteil.

Parodien und andere Meta-/Hyper-Bezugnahmen können durch Begrenzung eines exzellenten Werks mitunter schöne, wichtige Themen der Lächerlichkeit preisgeben. Um es mit Filmen zu sagen: Was ist “Scary Movie” im Vergleich zu “The Shining”? Parasitär. Die Parodie von Horrorfilmen ist kein Horrorfilm; bis auf exzellente Ausnahmen wie “The Cabin in the Woods”, dessen Plot alle Klischees bedient:

Five friends go for a break at a remote cabin in the woods, where they get more than they bargained for. Together, they must discover the truth behind the cabin in the woods.

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I came in like a wrecking ball

Die Überschreitung einer Grenze von einem Staat zum anderen ist in Europa eine reguläre Aktivität. Man kann als Europäerin ohne Reisepass von Wien nach Zürich fliegen, solange man nicht zu viel Wasser mitnimmt.

Bei Flügen ab 2013 wieder Flüssigkeiten im Handgepäck erlaubt

Das Hoheitsgebiet eines Landes, seine Souveränität, transformiert sich. Ein Staat ist nun eine Organisation unter vielen, die zugestimmt hat, sich an Spielregeln zu halten (durch bilaterale Abkommen, durch Verträge der Europäischen Union) und dessen Einwohnerinnen vielfältige Ziele verfolgen.

Die Homogenisierung der internationalen Rechtslage erodiert nationale Grenzen und schafft andere. Da eine Person nach Überfliegen der Staatsgrenze vergleichbaren Gesetzen unterliegt, ist die Feststellung ihrer Identität an Staatsgrenzen weniger wichtig.

Die Konsistenz des (multi)kulturellen Staates muss bei steigender Mobilität anders erreicht werden. Verhaltensanalyse und konformes Verhalten (im Rahmen zulässiger Abweichungen) sind wichtiger denn je, wenn man Individuen in der Welt nicht stabil zu Gruppen mit fixen Merkmalen zählen kann.

Die just in time Gruppenzuweisung erstickt die Tendenzen der Zugewiesenen. Grenzüberschreitungen können zwar überall und jederzeit auftreten, doch Staaten und Organisationen möchten darum- unter bestimmten Bedingungen – überall nachsehen und erschaffen für praktisch jede Abweichung ihre Cluster. Die technischen Errungenschaften helfen dabei (Scanner am Flughafen, extensive Datenanalyse bei elektronischer Kommunikation). Was manchmal zu vertiginösen und allergischen Reaktionen führt.

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The River Told Me

PLAN-OST-1

Here is a little known terrible Heidegger quote from 1943, to be found in his “Elucidations of Hölderlin’s Poetry”. He ist talking about the German soldiers fighting in the East and dying in Stalingrad:

“… are not the sons of the homeland, who though far distant from its soil, still gaze into the gaiety of the homeland shining toward them, and devote and sacrifice their life for the still reserved find, are not these sons of the homeland the poet’s closest kin?“
(Elucidations, p. 48)

“Ihr Leben verwenden … und im Opfergang verschwenden”. It can hardly get worse.

I gave a talk focussing on Heidegger’s treatment of Hölderlin’s hymn “Der Ister” in Brno, Czech Republic. Here are the slides and the audio recording.

give me a break

The Virtues of Openness: Education, Science, and Scholarship in the Digital Age von Michael A. Peters und Peter Roberts ist kein gutes Buch. Das konnte ich schon auf Seite 38 sagen. Das Kapitel über “Open Scientific Communication” bietet einen Verschnitt zahlreicher für “Offenheit” einschlägiger Trendleader und Kapitel 2 “The Philosophy of Open Science” reiht Bergson, Popper, Soros, Kuhn und Wittgenstgein aneinander. Das kann nichts werden. Dann, auf Seite 39, antizipiert Wittgenstein das Internet:

peters1a

Während des Umblätterns der Gedanke “So ein Käse, bin gespannt, ob sie da jemanden zitieren –

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einen Moment bitte

Vor fünf Jahren ist Jörg Haider tödlich verunglückt. Für ihn wurde plakatiert: “Er hat euch nie belogen.” Was für ein Unsinn, jedoch mit keckem, frischem Aussehen unterlegt. Der Zwiespalt geriet ins Zentrum der politischen Auseinandersetzung. Ausschlaggebend waren weniger Tatsachen – davon gibt es immer zu viele. Sondern der Effekt einer Person. Die Mediengesellschaft hat ihre eigenen Gesetze. Sie belohnt Neuheit, Aufmüpfigkeit, Schlagfertigkeit.

Vorgestern sah ich mir Jon Stewarts “Daily Show” vom 8. Oktober an. Mit dem Namen Malala Yousafzai verband ich nichts mehr, obwohl bald klar wurde, dass es sich um das pakistanische Mädchen handelte, das wegen seines Eintretens für die Erziehung von Mädchen und Frauen von einem Talib angeschossen und lebensgefährlich verletzt worden war. Das Ereignis ging, wie man sagt, “durch die Medien”.

 

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Neu, aufmüpfig, schlagfertig? In gewissem Sinn trifft das alles auch auf Malala Yousafzai zu. Ihr Aussehen sprengt der gewohnten Rahmen, “aufmüpfig” ist ein Hilfsausdruck für ihre Tätigkeit, ihre Argumente kommen rasch und treffend. Was soll man sagen? Dass das Auftreten der beiden Personen nichts miteinander zu tun hat? Oder dass es, in dem Moment, in dem es bei den Massen ankommt, denselben Gesetzlichkeiten unterliegt?

Beides ist korrekt. Die Aufgabe besteht darin, die eine Behauptung nicht mit der anderen kaputt zu machen. Der Moment, in dem die Welt rund um mich stillsteht, wird von den nachfolgenden Momenten abgelöst. Aber sie ist stillgestanden. Ich erinnere mich genau.

 

Radieschen

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Statt des üblichen Gummiringerls werden die Radischen mit einer Schlaufe zusammengehalten, an der, verdeckt von grünem Blätterwerk, ein Etikett angebracht ist. Es bescheinigt den kleinen roten Knollen die Herkunft aus der Heimat. Österreichische Bauern haben sie geerntet, ihr (?) sozialer Standard ist kontrolliert. So wie Milch und Schweinefleisch ist jetzt auch das unscheinbare Gemüse mit einem Gütesiegel ausgerüstet.

radischen3

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Sein vor Seiendem

arnulf-rainer

Die Tabelle weißer und schwarzer Filmkader habe ich schon in Präsentation der Präsentation zur Illustration verwendet. Zwei Bemerkungen Andreas Kirchners geben Gelegenheit, nochmals auf zurückzugreifen.

Es kostet Überwindung, eine Wiki-Seite zu löschen. Der Grund ist jedoch nicht der Mangel an Schreibfläche. Ein Wiki kann grob gesagt unbegrenzt viel Text aufnehmen. Trotzdem vermeidet man die Löschung, versucht bereits bestehende Arbeit zu erweitern und nur wenn nötig zu korrigieren.

Diese eigentümliche Scheu hängt mit mehreren Faktoren zusammen

  • Es ist immer genügend Platz vorhanden, das ist A.K’s Hinweis
  • Es ist zwecklos, die Seite verschwindet durch das Löschen nicht
  • Es ist weniger Aufwand, etwas hinzuzufügen, als zum Verschwinden zu bringen und neu zu formulieren

Diese pragmatischen Gründe kann man durch eine spekulative Überlegung ergänzen.

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