Interpretationsschwierigkeiten in Kharkiv

Die eine Schwierigkeit ist die Landkarte, mit der die BBC Dokumentation über Stadiums of Hate die geographische Lage Österreichs gegenüber Polen veranschaulicht.

Weniger amüsant ist die Sequenz, in der ein Polizeioberst aus Kharkiv den Hitlergruß erklärt, den die Fussballfans im Metalist Stadion praktizieren: “They are pointing to their opponents”. Und er blickt zur Seite.

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peer review global

Vor 35 Jahren kannte man als aufstrebender Philosoph im deutschen Sprachraum zumindest einen Professor, der eine Zeitschrift herausgab und jungen Wissenschaftlern eine Publikationsmöglichkeit bot. Auf diese Weise habe ich im Salzburger Jahrbuch für Philosophie, im Wiener Jahrbuch für Philosophie und im Philosophischen Jahrbuch der Görres-Gesellschaft publiziert, bis ich Mut fasste und zur Zeitschrift für philosophische Forschung aufstieg. Der Kreis der Nachwuchstalente war überschaubar. Mentoren, die man damals noch nicht so nannte, kümmerten sich um den akademischen Nachwuchs.

Die Internationalisierung der philosophischen Forschung, der Publikationsdruck und die Ranking-Tabellen haben das gründlich verändert. Vor einem Monat erhielt ich die Anfrage eines renommierten skandinavischen Journals, ob ich einen Artikel über interkulturelle Ethik, “a transdisciplinarity-oriented study” beurteilen wolle. Das ist überhaupt nicht mein Fachgebiet. Irgendeine verquere Assoziation bei einer Google-Suche muss für diese Einladung verantwortlich sein. Neugierig war ich aber schon, daher sagte ich zu.

Wiley ist einer der wichtigsten Verlage im Buch- und Zeitschriftengeschäft weltweit, entsprechend professionell ist die Zugänglichkeit des Artikels und die Handhabung des Review-Prozesses. An die Stelle der persönlichen Bekanntschaft mit “älteren Staatsmännern” tritt eine Suchmaschine, eine Datenbankstruktur und ganz am Ende ein Schiedsrichter. Ich will das nicht abwerten, die Bedingungen haben sich geändert. Aber der Artikel hatte es wirklich in sich. Read more

Gobbledegeek

Definition:
gobbledegook: Babbling incoherently, making no sense, Being completely random.

 

 

The usability of the portal “designed” to administer EU research projects is a desaster. But wait till you are finally unable to figure out what is going on and forced to contact the helpdesk. You are presented with a form to fill in a description of the problem. After you have done so you receive a letter asking for you ID on the system – as if this could not be included in the form. This is what I got after providing the missing piece of information:

Hello,

We received so many emails daily and we base our resolution based on your info provided.
Please reply to the original email you sent us with this info so I can further analyze the issue.

The first sentence is just sloppy language: past instead of present time, confusing iteration of terms (“base”). “Resolution” of what? But the second sentence is an extraordinary show of confusion.

The customer has sent a mail to enquire about a problem. He is now asked to reply to this original mail, as if he were not only the sender, but also the recipient. Given that I reply to myself, how can another person analyze the issue?

Am I being too hard on the poor fellow on the other end of the line, or should one, in administering a research project that pays out the amount of 2 million EURO, be entitled to expect basic logic from the IT support?

Zur Leichtigkeit des Seins

Jeder Schüler kann in der Physikstunde durch Versuche nachprüfen, ob eine wissenschaftliche Hypothese stimmt. Der Mensch aber lebt nur ein Leben, er hat keine Möglichkeit, die Richtigkeit der Hypothese in einem Versuch zu beweisen. Deshalb wird er nie erfahren, ob es richtig oder falsch war, seinem Gefühl gehorcht zu haben.

Wenn man in der Schweiz Universität sagt, dann meint man in der Regel eine der beiden technischen Universitäten: die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETHZ) oder die École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL). Anders gesagt, das Verständnis von Universität ist ingenieurswissenschaftlich geprägt. Unterwegs im Zug überquere ich den “Röstigraben”. So fasst man die gefühlten Unterschiede zwischen der Romandie und la Suisse Alémanique zusammen. Es ist eine spezielle Erfahrung: Formal ändert sich fast nichts und doch fühlt es sich anders an. Ich sitze im selben Zug im selben Land. In Lausanne hörte man die Durchsagen zuerst auf Französisch dann auf Deutsch und Englisch. Nach Fribourg/Freiburg wechseln Französisch und Deutsch die Plätze. Auch die Fahrgäste sprechen plötzlich überwiegend etwas dem Deutschen Ähnliches. Die Dynamik (Geräusche, Bewegungen) ändert sich. Dann erreicht mich die folgende Meldung:

Leicht nehme ich diese Meldung nicht und weiß gar nicht wo ich anfangen soll.

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Das mitten-im-Sommer Philosophie Symposium?

Das jährliche internationale Wittgenstein Symposium in Kirchberg am Wechsel steht seit langem unter einer allgemeinen Vorgabe, die nicht mit Wittgenstein zu tun haben muss. Dem Philosophen ist eine Sektion gewidmet, die anderen ergeben sich aus dem Rahmenthema. Diese Entwicklung ist verständlich, denn es ist praktisch unmöglich, ein derart ambitioniertes, wohldotiertes Treffen im Jahresabstand ausschließlich auf den Namensgeber zu fokussieren.

In diesem Jahr geht es schwerpunktmäßig um Ethik und Gesellschaft, mit einer Reihe interessanter Referentinnen. In der Ankündigung der Sektionen haben die Verantwortlichen einen locker flockigen Stil gewählt:

The symposium will be held from August 5th through 11th, 2012, in Kirchberg am Wechsel, Austria. Contributions may address this year’s general topic: “Ethics – Society – Politics”, and/or all aspects of the philosophy, work and life of Ludwig Wittgenstein.

Sections:
1. Wittgenstein
2. Living – Healing – Dying
3. Justice – Society – Economy
4. Power – Ethics – Politics
5. Humanity – Nature – Technology
6. History – Concepts – Theories
7. Knowledge – Truth – Science

Man fragt sich schon, ob das die neue Form des flächendeckenden Universalitätsanspruchs der Disziplin ist. Sie präsentiert sich als Triaden vage assoziierter Substantiva. Interessant, was sich sonst in dieser Weise verbindet. Hier ein Ergebnis für das erste Trio.

Prayers for Healing, Living & Dying

A Fusion of Horizons?

Andreas Kirchner proposes some guidlines concerning the hermeneutic problems raised by Alain Badiou’s philosophical procedures. He has a suggestive way to describe what a (supposed) inconsistency found in a given text does: it triggers a plan B on part of the reader who supposedly wanted to “consume” the text “as is”. Now, there can be a great number of reactions to being faced with (partial) incomprehensibility. One can be confused, angry or overwhelmed. Hermeneutics is a plan B inasmuch it is a rule-governed enterprise, following an established methodology. One of its main rules is the “principle of charity” we have been discussing as applied to Badiou.

I want to make two points: (1) on the charitable view of Badiou’s use of mathematics and (2) on Gadamer’s “fusion of horizons” as an additional hermeneutical principle.

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Kunst kommt von können?

In einem Blog über Computersicherheit finden sich eine Erzählung über die Entwicklung von Schadsoftware und die Überlegung, dass die Erstellung von Computerviren heute keine Kunst mehr ist:

Computerviren in den 90ern wurden von Hand gemacht, teilweise mit Witz in der Erscheinung und mit Einfallsreichtum beim Verstecken vor Antivirensoftware. Heute läuft die Entwicklung von Computerviren weitgehend industrialisiert ab. Sie werden zum Beispiel mit wenigen Clicks durch Viren- und Exploitgeneratoren massenweise produziert. Weiters haben sie nicht den Zweck, die KollegInnen aus der Szene zu beeindrucken oder sich grinsend vorzustellen, wie die Mitarbeiter von Antivirensoftware sich die Nächte um die Ohren schlagen, um den Virus unschädlich zu machen. Es geht nun primär um Zugriff von und Handlen mit sensitiven Daten – oder die Eingliederung von Computern in Botnetzen; viel pragmatischer also.

Den Blog-Autor und Security-Experten Graham Cluley irritieren und amüsieren – diese Erzählung im Hintergrund – die Werke und die Selbstdarstellung der neuen Bilder-Kollektion des Künstlers Bratsa Bonifacho:

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Situations and Horizons

The side-discussion about understanding and the prinicple of charity (see article and comments here) does not seem finished to me. In this context, Gadamer comes to my mind: He speaks about the prejudice of perfection (of sense) that gets irritated as soon as the attempt to consider the text as true breaks down (Wahrheit und Methode, Bd. 1., ed. by Mohr, Tübingen 1990, p.299). That such a breakdown is possible indicates that “understanding is primarily to understand the case” and not the text as sequence of strings. In understanding the case, it is possible that something resists to fully accept the text, because the text cannot (always) create the topic/case it is talking about. The resistance could stem from (fruitful) prejudices or because of explicitly formulated judgments. Anyway, if the attempt to consider the text as adequate breaks down, it can lead – as a plan-B – to the effort ‘to understand’ the opinion of the other psychologically or historically.

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The Matheme of the Event

I am a fan of the (probably hermeneutic) idea that if one aims to write an adequate critics/response of a text, one needs to initially assume that the text, this crude and crazy production of thought – is actually adequate. Let’s undertake this apparently naive experiment, that everything written in the text in front of us is correct and if we work hard enough we can make sense out of it. The question then is to observ, pronounce and – if possible – overcome the resistances that our understanding produces when we read the text. With such an assumption we get the chance to describe arguments in the text in a way that makes it more accessible to others (who may have made similar reading-experiences). But secondly – I am convinced – it is one way to better locate flaws, when we at the same time keep in mind that this is an experiment – and that our initial assumption can arguable turn out to be wrong.

The following – very limited – examination deals with one aspect of “Being and Event” (BE), a major work of Alain Badiou, namely the “Matheme of the Event”. Badiou uses a set-theoretical framework in order to analyze how it is possible that a situation – shaped by structures, rules, habits, stabilized knowledge – gets disturbed such that novelties – new perspectives – emerge that were not thinkable within the situation before. The flash that disturbs the situation is called the event.

The context and motivation of this post are (1) recent, unsatisfying critiques and repliques about the status of mathematics in BE – published in Critical Inquiry and (2) the collection of Badiou-related postings in this blog:

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Das treue Subjekt

Ein Beispiel dafür, wie die Politik dem Formalismus Badious vorausgeht, sind seine “Matheme” in Sein und Ereignis 2. Das oben wiedergegebene formelartige Gebilde bezeichnet nach seiner an Lacan geschulten Methode das sujet fidèle (S.61, frz. Ausgabe). Als Erklärung erzählt Badiou die Geschichte vom Spartakusaufstand. Die Sklaven reagierten auf eine Botschaft: Wir wollen zurück nach Hause. Diese Devise trifft unterjochte Körper und führt zu einer Reihe von Entscheidungen, die eine (neue) Gegenwart eröffnen.

Das klingt ganz bieder, aber eigentlich auch wie eine Comicsversion von Geschichte: Inspiration – Mobilisierung – Aufbruch. Und dies ist nun genau der Sinn, den Badiou in das Mathem hineinlegt. Das Epsilon steht für die Spur eines Ereignisses, ein C für corps, unter dem Strich ist der Körper unterworfen. Zusätzlich sind diese unterworfenen Körper verstreut, ohne inneres Ordnungsprinzip, darum wird klein-c durchgestrichen. Disparate Körper unter dem Anspruch der Botschaft produzieren durch ihre Entscheidungen eine Gegenwart (presence, daher das Pi). Insgesamt haben wir es mit einem Subjekt in Treue gegenüber dem initialen Ereignis zu tun.

Diese Gegenwart ist auch eine neue Wahrheit. Sie war in den römischen Zuständen nicht vorhersehbar. Von daher ergibt sich ein Bogen zum Badiou-Zitat, das Andreas Kirchner im vorigen Beitrag anführt und das eine ähnliche Argumentationsform in der avancierten Mengentheorie reklamiert.

Das alles ist mit angehaltenem Atem geschrieben. Es gibt eine Stimme in mir, die einfach herausplatzen will: Was für ein Krampf! “Sowohl als auch”? Ich weiss nicht und brauche Zeit.