Die Transzendenz des Ackers

Bezogen auf eine kleine dörfliche Siedlung, ist die Tätigkeit am Acker eine Transzendenz. Gerade in Niederösterreich, sind die Äcker im Frühling strukturierte “Leere”:

Riesige Flächen Erde, strukturiert von Windschutzgürteln. Ein Spiel-Raum, aber ein existenzieller. Ohne Acker keine Ernte. Ohne Ernte kein Überleben, nicht nur der Bauern sondern der ganzen Siedlung (minus die globalen Import- und Handelsmöglichkeiten, die dieses Verhältnis graduell ent-dramatisieren).

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Herkunft und Zukunft


Keine Zukunft ohne Herkunft?! Das kann man a.) als hilfreiches Einleitungs-Motto für einen Lesungsabends nehmen, in dem die Lesungen über Herkunft handeln. Gleichzeitig wird es b.) für nationalistische Gedanken oder als Rechtfertigung zum Überhöhen “der Ahnen” verwendet:
a.) https://www.alte-schmiede.at/programm/2019-04-09-1900/
b.) https://andreasmoelzer.wordpress.com/…/keine-zukunft-ohne-…/

Raphaela Edelbauer’s Lesung eines Ausschnittes von ihrem Roman “Das flüssige Land” hat die Sache in der Form von Anti-Heimat auf den Punkt gebracht.

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Responsibility and the Event

Königin Europa, älteste Darstellung

Should I flee a situation that makes it impossible to follow my conviction properly?
Am I complicit of the situation’s wrongdoings if I do not escape?
Am I a traitor if I leave the situation if it’s rules go against my vision?
Do I have the responsibility to do my part to transform the situation?

These questions could be asked in a variety of contexts:
1. A judge in the Nazi regime
2. An engineer that is ordered to trick the emission tests
3. A politician who has to realize an unpopular decision
4. A citizen of a rural area or of a country with low income levels

The openness of the future contains both risks and opportunities. We can trace the openness back to the constraints of  the past though.

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Namen, Leerstelle, Treue

Zur Linken, in einer Fotografie von etwa 1935, das “Haus zur goldenen Waage” in der Frankfurter Innenstadt. Namen knüpfen oft an handgreifliche Details an. In diesem Fall an den Laden des Gewürzhändlers Abraham von Hameln. Namen müssen eingespielt sein, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Sie konservieren den Bezug zu Sachen und Vorgängen, die immer wieder gebraucht und angesprochen werden.

Wie soll man den Trümmerhaufen nennen, den das rechte Foto (1944) zeigt? Wegräumen! Der Träger des Namens ist einem Bombardement zum Opfer gefallen. Der Vorfall hat die Welt überwältigt, in der Geschäftsadressen funktionierten. Ein Umbruch ist eingetreten, etwas Neues möglich und nötig geworden. Es hat Zeit gebraucht. 2017 war die Außenseite des nachfolgenden Gebäudes fertiggestellt.

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How to Relativize the Importance of the Effable?

 

In one previous blog post, Herbert Hrachovec conducted a careful analysis on moving away from the visible domain, based on Mona Haydar’s account of wearing a Hijab as spiritual practice. This was definitely more substantial than what I did earlier when suggesting an isomorphism between a.) Hijab for protecting the body and b.) closed borders for national security. Both might be characterized by a resistance against their assets (or even their “essence”) being consumed or threatened by others. In contrast, Herbert starts with listing possible ways of resistance to globalization and consumer society and then highlighting one speciality when taking the Hijab as a spiritual practice:

Haydar’s “act of resistance” is primarily directed away from the body. “I am so much more than just a body.” (M.H.) Not “just a piece of meat walking around in the world for anybody to consume.” (M.H.) It’s not just frantic economics that is at stake here. This particular sign of resistence, Haydar’s hijab, indicates an extra-physical realm.

This extra-physical realm, in the words of Haydar is “a soul, that is ineffable that lives inside of me”. How to point towards something ineffable? Herbert: “Using a tangible tool like the head scarf to mediate a dramatic switch to an intangible insight”.

I am finishing the year of this blog with something unfinished: This posts adds three further positions/techniques/examples for giving clues that relativize the importance of the effable. May they be impulses for 2019.

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Leaving Immersion?

What makes a technique useful is that it responds to problems of the focus domain. An expert, who is using techniques is useful, if she is responsible and cares about the object of this expert domain. For example, a good project manager cares about everything that is involved in a project: people, the project goal, the means to achieve it, the timeline it requires. In every community obviously there are some who care more and some who care less. The challenge is: Why do we care? Wouldn’t we be better off if we just cared for ourselves, and just appeared to be caring while we would just be caring for ourselves?

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Ein Interview, körpernah

Interviews sind Schnittstellen, unter anderem zwischen Reportern und politischen Funktionären. Zum Beispiel zwischen dem Falter-Team Sibylle Hamann plus Florian Klenk und dem Bildungsminister Heinz Faßmann((Siehe hier)). Zahlreiche derartige Interviews gleichen Wohltätigkeitsveranstaltungen oder Ringkämpfen. Das trifft in diesem Fall nicht zu. Die Beteiligten respektieren ihr jeweiliges Gegenüber und räumen einander Chancen ein. Darum ist am Beispiel gut zu sehen, wo die Möglichkeiten und die Grenzen dieser Redeform liegen. Und es ist zu beobachten, dass in ihrem Rahmen die (umstrittene) Integrität des politischen Funktionärs nicht verlorengeht((Die “unabhängige Bildungsgewerkschaft” sieht das anders.))

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Sicut erat in principio

Der vorherige Beitrag von Andreas Kirchner behandelt die Rolle von Philosophen in mittelfristiger Zukunft. Im vorliegenden Text geht es philosophisch um die Rolle der Vorzukunft. Zwei Orientierungsversuche.

Werbung ist heute, Lobpreis war gestern. Wenn man von Peter Handke absieht, ist das Wort praktisch aus unserem Wortschatz verschwunden. Im religiösen Leben spielt es noch eine gewisse Rolle. Dort nennen die Fachleute “Ehre sei dem Vater, dem Sohn und dem heiligen Geiste” eine doxologische Formel, vom Griechischen “doxa” für Ehre. Es gibt nach wie vor Ehrungen, Ehrenmitgliedschaften und verehrte Festgäste, doch die verehrungsvolle Anrufung der Dreifaltigkeit gehört nicht zum Repertoire der Konsumgesellschaft.

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Philosophy graduates will be in great demand by 2030? And then?

… this is the headline of a post shared by the Facebook page “Philosophy matters”. The post has likes and comments of people who sympathize with philosophy, or have an education in philosophy. I read the linked article, and posted a comment expressing my concerns about the mismatch between the headline and the content of the article. The latter is mostly about the usage of technology in education, while the first focuses only on philosophy graduates. Later I realized that the word “expert” in the headline is crucial for both. Philosophers would learn how to play the role of an expert in a corporate environment, delivering assessments on demand. That’s what the headline suggests. At the same time, I would add, philosophers would be aware and make aware that expertise is not the whole story on the journey called education.

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Ein Kuchenstück macht Furore

Sie kauft ein Stück vom Waldviertler Guglhupf, ein Riesenstück. Es würde reichen für drei, denke ich. Sie wirkt gar nicht so hungrig, so als würde sie das Stück gar nicht für sich kaufen. Sie ist wahrscheinlich Mitglied des Pfarrgemeinderates, denke ich.

Die Verkäuferin wird plötzlich unruhig. “Jetzt geh’ raus. Verschwind! Du hast schon bekommen” faucht sie über den Tresen mit den vielen Kuchen. Aber er geht nicht weg – ein hochgeschossener, schwarzhaariger Noch-nicht-Mann, der mit einem leisen Lächeln den leer gegessenen Plastikteller über den Tresen zu reichen versucht. Provokant.

Es ist plötzlich ganz still, und die Pfarrgemeinderätin sagt laut: “Geben Sie ihm. Ich zahle, was er will.” Der Verkäuferin ist es peinlich. “Nein, das geht nicht!”. Das will Chefin nicht. Wir sollen geben, sagt Chefin. Aber nur einmal.” Sie nimmt den Plastikteller, legt ohne Nachfrage an den Hungrigen ein Stück Kuchen drauf, reicht den Teller schweigend zurück.

Die Pfarrgemeinderätin will zahlen, da mischt sich ein älterer Mann aus der Warteschlange ein: “Sie lügen alle. Alle lügen sie.” Wie kommt er auf Lüge, denke ich. “Das können wir uns noch leisten”, sagt die Pfarrgemeinderätin, “Hunger braucht hier niemand zu haben.” “Aber sie lügen ja nur.” Die Verkäuferin reicht das Geld, das sie für das Extrakuchenstück bekommen hat, zurück. “Das will Chefin nicht. Chefin ist sozial.” Ich komme dran, verlange meinen Lieblingskuchen und dass ich den zusätzlichen Kuchen bezahlen darf.

Doch die Verkäuferin bleibt dabei: “Ich bin selber Ausländerin. Ich sage meinen Kindern: Ihr müsst wissen, wie ihr euch benehmt. Der hat kein Benehmen. Wissen Sie, das ist Bettelmafia. Die sollen aufhören. Schau’n Sie draußen den Schwarzen, der Augustin verkauft. Der ist höflich. Der weiß, wie man sich benimmt.”

Kira Euklid

 

 

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